Politik : Uran-Munition: Briten warnten schon 1991

Die britische Atomenergie-Behörde (AEA) hat die Regierung in London schon vor zehn Jahren vor den Gesundheitsgefahren durch den Umgang mit Uranmunition gewarnt. Der Einsatz der Munition im Golfkrieg bedeute nicht nur ein Gesundheitsrisiko, sondern werde langfristig auch "politische Probleme" hervorrufen, schrieb die AEA bereits 1991, wie die "Times" in ihrer Montagausgabe berichtet.

Das Verteidigungsministerium bestätigte am Montag, dass es seinerzeit einen "vertraulichen Bericht" dieses Inhalts gegeben habe. Dabei habe es sich aber nicht um eine "grundlegende wissenschaftliche Analyse, sondern um eine theoretische Auslegung der möglicherweise schlimmsten Auswirkungen" gehandelt.

Nach Angaben des Verbandes britischer Golfkriegsveteranen sind seit dem Konflikt Anfang der 90er Jahre 521 britische Soldaten an den Folgen des Einsatzes gestorben. Weitere 5000 litten an verschiedenen Krankheiten, einschließlich Leukämie. Die Regierung hat einen auch als "Golfkrieg-Syndrom" bekannten Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und dem Militäreinsatz stets bestritten.

Die Uran-Munition wurde erstmals von den USA im Golfkrieg 1991 eingesetzt, wo auch britische Soldaten im Einsatz waren. Danach wurde die Munition auch in Bosnien (1994-95) und schließlich im Kosovo-Krieg 1999 verwendet. Die Nato hatte ihre Soldaten bei ihrem Einsatz im Kosovo gewarnt, sich nur in Extremfällen in Panzerfahrzeuge zu begeben, die von den Uran-Geschossen getroffen wurden. Nach Auffassung der Nato gibt es aber keinerlei wissenschaftliche Beweise für eine Gesundheitsgefahr durch die Munition. Dagegen bringen einige Experten die knapp 20 Fälle tödlicher Blutkrebs-Erkrankungen unter ehemals im Balkan stationierten Soldaten mit den leicht radioaktiven Geschossen in Verbindung.

In einer Sonderdebatte wollte sich das britische Oberhaus am Montagnachmittag mit den gesundheitlichen Folgen des Golfkrieg- Einsatzes befassen. Nach Angaben des Labour-Politikers Lord Morris, der die Debatte beantragt hat, sind seit dem Golfkrieg 450 Mitglieder der britischen Streitkräfte gestorben. Weitere 80 hätten Selbstmord begangen, sagte er der Agentur Press Association am Montag. "Jedes Land hat die Pflicht, Gerechtigkeit gegenüber denen walten zu lassen, die bereit waren, ihr Leben zu geben", fügte Lord Morris hinzu.

Hinter verschlossenen Türen berieten am Montag Medizin-Experten der Nato über mögliche Gesundheitsgefahren durch die umstrittene Uran-Munition. Die Sitzung im Hauptquartier der belgischen Streitkräfte in Brüssel sollte den ganzen Tag dauern, wie ein belgischer Militärsprecher sagte. Im so genannten medizinischen Ausschuss der Nato sind die obersten Mediziner der 19 Nato-Armeen versammelt. Die Öffentlichkeit sollte erst am Dienstag über die Ergebnisse der Beratungen informiert werden. Am Dienstag tagt auch erstmals eine spezielle Arbeitsgruppe des Bündnisses, die das "Balkan-Syndrom" näher untersuchen soll. Die Nato hatte in der vergangenen Woche als Reaktion auf die Berichte über verdächtige Todesfälle eine Aufklärungs- und Informationsoffensive beschlossen.

Am Mittwoch will sich die EU-Kommission mit der Uranmunition befassen. Wie es hieß, soll beschlossen werden, dass sich alle EU- Mitarbeiter auf dem Balkan auf etwaige Gesundheitsschäden durch Radioaktivität untersuchen lassen.

Radar-Geräte unter Verdacht

Brüssel (dpa). Die Nato hat bisher keine Erkenntnisse über Erkrankungen nach dem Einsatz von Soldaten des Bündnisses an Radargeräten. Bei der Allianz hieß es am Montag in Brüssel, keines der 19 Bündnisländer habe bisher derartige Probleme in der Nato-Zentrale vorgebracht.

Außer aus Deutschland seien bei der Nato auch keine Verdachtsfälle bekannt. Der Ausschuss hochrangiger Nato-Ärzte, der am Montagnachmittag in Brüssel zusammentreten sollte, wird sich nicht mit diesem Thema befassen. Sein einziges Thema ist die Uranmunition und ihre Auswirkung auf die Gesundheit, hieß es.

Am Wochenende war in Deutschland bekannt geworden, dass zahlreiche Soldaten der Bundeswehr, die zwischen 1970 und 1990 an Radargeräten eingesetzt worden waren, an Krebs erkrankt oder gestorben sind.

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