Politik : Uran-Munition: "Wir wurden nicht ausdrücklich vor dem Gift gewarnt"

Claudia Lepping

Die auf dem Balkan tätigen deutschen Hilfsorganisationen sind trotz eines entsprechenden Schreibens vom Bundesverteidigungsministerium nicht gezielt über das Risiko durch giftiges (toxisches) Uran aufgeklärt worden. Recherchen bei Hilfsorganisationen ergaben, dass es im Wesentlichen vom Engagement der Helfer in Bosnien und im Kosovo abhing, ob sie Informationen über gesundheitliche Schäden durch uranhaltige Munition erhielten. Aus dem Verteidigungsministerium heißt es dazu: "Es ist nicht auszuschließen, dass in Einzelfällen die Information nicht angekommen ist." Darüber hinaus kommen Zweifel an dem von der Nato angekündigten Kartenmaterial auf, das über die Verwendung von uranhaltiger Munition Auskunft gegen soll. In einem dem Tagesspiegel vorliegenden Papier räumte die Bundeswehr schon Mitte Juli 1999 ein, dass es gar nicht möglich sei, exakt festzustellen, wo uranhaltige Munition eingeschlagen sei: "Da mit der Bordkanone keine vorgeplanten stationären Ziele angegriffen werden, sondern solche Ziele, die durch den Piloten während des Einsatzes erfasst werden, ist eine exakte Gebietsbestimmung nicht möglich."

"Wir wurden nie ausdrücklich vor der toxischen Gefährdung gewarnt", sagt Ulrike von Pillar, Geschäftsführerin der deutschen Sektion von "Ärzte ohne Grenzen". Viele Mitarbeiter von Hilfsorganisationen seien zudem irritiert, weil die britische Armee ihren Soldaten inzwischen Atemmasken beim Umgang mit uranhaltigen Geschossen vorschreibt. Darüber hinaus hat die Kfor-Friedenstruppe im Kosovo noch längst nicht alle von Nato-Munition getroffenen Militärfahrzeuge beseitigt. Die ausgebrannten Panzer sind für viele Kinder ein attraktiver, aber gefährlicher Spielplatz.

"Das Bundesverteidigungsministerium hat nie geleugnet, dass die Nato diese Munition benutzt hat", betont Frau von Pillar: "Aber es wurde immer gesagt, dass nur schwach strahlendes Uran verwendet wurde. Vorsorge vor möglichen Vergiftungen wurde nicht getroffen." Auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) wurde vom Verteidigungsministerium zwar "grundsätzlich informiert", ohne allerdings zu erfahren, wo genau die uranhaltige Munition eingeschlagen hat.

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