Politik : Uran vermisst

Russischer Behördenchef bestätigt Diebstahl von Nuklearmaterial

Elke Windisch[Moskau]

Der Chef der staatlichen Atomaufsichtsbehörde in Russland, Jurij Wischnewski, hat erstmals öffentlich zugegeben, was bisher nur vermutet worden war: Aus russischen Kernkraftanlagen seien kleinere Mengen angereicherten Urans „verschwunden“. In der Mehrheit der Fälle sei dies bei der Wartung von Reaktoren oder in Unternehmen geschehen, die auf die Produktion von Brennstäben spezialisiert seien, sagte Wischnewski. Eine Sprecherin seiner Behörde dementierte dies wenig später: Es gehe nur um wenige Fälle, in denen Messgeräte mit radioaktiven Chemikalien unsachgemäß entsorgt worden seien. Das Material sei sichergestellt worden.

Nach Wischnewskis Angaben stellte die Polizei in Elektrostal in der Moskauer Region 1994 und 1995 bei Dieben je ein Kilogramm Uran sicher. Ähnliche Mengen wurden aus einem Werk in Nowosibirsk gestohlen. Die Vorfälle wurden von der Internationalen Atomaufsichtsbehörde in Wien erfasst. Bei den großen Mengen habe es sich um schwach angereichertes Uran gehandelt, sagte Wischnewski. Es seien aber auch „wenige Gramm“ waffenfähigen Nuklearmaterials entwendet worden. Davon wollte seine Sprecherin später nichts mehr wissen: „Zu diesen Stoffen können wir uns nicht äußern, weil sie in der Kompetenz des Militärs liegen.“

Nach dem 11. September 2001 habe sich die Sicherheit in russischen Kernkraftanlagen entscheidend verbessert, versicherte Wischnewski. Alle Einrichtungen seien vor zwei Monaten überprüft, die Ergebnisse an den russischen Sicherheitsrat übermittelt worden. Um westliche Sicherheitsstandards zu erfüllen, seien weitere sechs Milliarden Rubel (190 Millionen Euro) notwendig.

International herrscht Angst, dass Terroristen mit strahlendem Material eine „schmutzige Bombe“ bauen könnten. Der Vize-Sicherheitsminister von Georgien, Irakli Alasanija, sagte der Agentur Interfax, dass Al Qaida versuchen könnte, Ampullen mit Cäsium an sich zu bringen, das früher zu Experimenten in der Landwirtschaft eingesetzt worden sei.

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