Politik : Uranmunition: Scharping: Soldaten waren informiert

Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) hat Vorwürfe des Bundeswehrverbandes zurückgewiesen, nach Kosovo eingerückte Bundeswehrsoldaten seien nicht über eine Gefährdung durch Uran-Munition aufgeklärt worden. Scharping sagte am Sonntag im ZDF, beim Einmarsch der Bundeswehr in die Region im Sommer 1999 sei auf die Möglichkeit von schwacher Strahlung hingewiesen worden. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, hatte gesagt, es sei "definitiv falsch", wenn der Minister behaupte, das erste Kontingent sei in der Ausbildung auf Uran-Munition vorbereitet worden. Scharping bestätigte einen Bericht, wonach die Bundeswehr eine hohe rate von Krebserkrankungen bei Radartechnikern untersucht.

Scharping sagte, er habe bereits ab Mai 1999 regelmäßig Parlament und Öffentlichkeit über den Einsatz von Uran-Munition im Kosovo informiert. Als einiziger Verteidigungsminister in der Nato habe er zudem frühzeitig Untersuchungen über eine mögliche Gefährdung der Soldaten durch die Munition veranlasst. Alle Wissenschaftler hätten ihm bestätigt: "Es gibt kein merkliches Risiko durch Strahlung." Mit Rücksicht auf die dauerhaft in dem Gebiet lebende Bevölkerung müssten aber die Auswirkungen von Uran-Munition als Schwermetall untersucht werden. Er beobachte ein "Hysteriesyndrom" in der Öffentlichkeit, sagte Scharping. Es gebe erkennbar keinen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen in der Bundeswehr und dem Einsatz im Kosovo.

Scharping bestätigte einen Bericht des ZDF, wonach die Bundeswehr von der Universität Witten/Herdecke eine Anzahl von Krebserkrankungen bei Radartechnikern hat untersuchen lassen. Es gehe dabei um 99 Soldaten, von denen 69 an Krebs erkrankt seien. 24 davon seien seit den 60er-Jahren an Krebs gestorben. Die Studie sei nur deshalb als vertraulich behandelt worden, weil sie Krankendaten enthalte, sagte Scharping.

Der Einsatz uranhaltiger Munition auf dem Balkan stellt möglicherweise ein Kriegsverbrechen dar. Die Chefanklägerin des internationalen Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Carla del Ponte, erklärte am Sonntag, sie könne Ermittlungen wegen der Vorkommnisse auf dem Balkan nicht ausschließen. Del Ponte sagte im italienischen Fernsehen, zunächst werde sie aber die Ergebnisse der zahlreichen Untersuchengen abwarten, die in mehreren Nato-Staaten laufen.

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