Politik : Urban 21: Welche Chancen Eberhard Diepgen in der Konferenz sieht

Eberhard Diepgen

Vertreter der großen Weltstädte sind zu Gast in Berlin, um gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie die Zukunft der Metropolen im 21. Jahrhundert gestaltet werden kann. Berlin ist in besonderer Weise für dieses Gespräch geeignet, nicht nur als traditioneller Ort des Dialogs, nicht nur wegen seiner zentralen Lage im Herzen Europas oder seiner zahlreichen Städtepartnerschaften, sondern auch wegen seiner Geschichte.

Wir hatten in Berlin die Chance, aus einer geteilten Stadt, deren westlicher Teil zwar frei, aber gegen die Umgebung abgeschottet war, wieder eine vereinte Stadt mit einem natürlichen Verhältnis zu ihrem Umland zu formen. Wir hatten die Chance, das Herz der Stadt völlig neu zu gestalten, und wir hatten die Chance, ausgehend von der Wiedervereinigung, schon länger notwendige Reformen beschleunigt umzusetzen. Wir haben damit notgedrungen eine zeitliche Dynamik ausgelöst und so diese Chancen in den letzten zehn Jahren seit der Wiedervereinigung zum Wohle der Berlinerinnen und Berliner genutzt. Dabei haben wir vor allen Dingen darauf geachtet, dass die neu entstehenden Zentren wie Friedrichstraße und Potsdamer Platz nicht seelenlose, leere Quartiere werden, sondern immer mit Leben erfüllt sind. Dieser dynamische Trend wird anhalten.

Mit Optimismus schaue ich deshalb in die Zukunft, denn schon die Gegenwart zeigt sehr erfreuliche Trends: Die Zahl der Menschen, die nach Berlin kommen, steigt kontinuierlich. Der Tourismus verzeichnet zweistellige Zuwachsraten. Wir setzen stark auf moderne Dienstleistungen, aber auch Technologien des Medien-, Informations- und Kommunikationsbereiches, auf die Umwelt-, Medizin- und Verkehrstechnik, auch auf die Biotechnologie. Hier liegen die Stärken Berlins. Theater und Opern, Museen und Galerien, Orchester und Chöre, die Off-Szene und die kaum zu überblickende Zahl von Laienchören, -orchestern und -ensembles: Sie alle prägen die Kulturstadt Berlin. Und wir haben eine Wissenschaftslandschaft, die einzig ist in Deutschland.

Ich begrüße die Weltkonferenz für die Zukunft der Städte, Urban 21, außerordentlich. Die großen Städte dieser Welt müssen sich zusammenschließen, um gemeinsam ihre Interessen gegenüber ihren nationalen Regierungen, aber auch gegenüber internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen zur Geltung zu bringen. Die Städte dieser Welt haben ein Recht darauf. Den großen Metropolen gehört die Zukunft nach dem Motto: Global denken, lokal handeln. Wir brauchen einen nachhaltigen Erfolg zum Nutzen der Menschheit. Berlin hat einiges Anschauungsmaterial für die Stadtentwicklung der Zukunft zu bieten.

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