Urlaub in den USA : Der Ferien-Präsident

US-Präsident Bush verbringt seinen Urlaub gerne daheim in Texas - und frönt dem Müßiggang mehr als jeder andere Präsident vor ihm. Bei den Amerikanern verhält es sich genau umgekehrt: Sie nehmen immer weniger Urlaub.

Laszlo Trankovits[dpa]
Bush Foto: ddp
Auf dem Weg in den Urlaub: Bush mit Ehefrau Laura und Hund Barney. -Foto: ddp

WashingtonGeorge W. Bush ist wieder auf seiner geliebten Ranch im texanischen Crawford - und gilt nun endgültig als Präsident mit den längsten Ferienzeiten in der modernen Geschichte der USA. Keiner seiner Vorgänger hat dem US-Fernsehsender CBS zufolge mehr Urlaub vom Weißen Haus genommen als Bush: bisher 418 Ferientage seit seinem Amtsantritt im Januar 2001. "Bush auf dem Weg zum Ferien-Präsidenten", titelte der "Houston Chronicle" ironisch. Für den gewöhnlichen Amerikaner aber wird Urlaub derzeit fast ein Luxusgut; immer weniger Arbeitnehmer nutzen den ohnehin mageren Urlaubsanspruch, den ihnen Firmen und Institutionen zubilligen.

 
Die Arbeitswut der Amerikaner, von der "Sacramento Bee" (San Francisco) als "amerikanische Krankheit" bezeichnet, ist für Deutsche in den USA regelmäßig Ursache für peinliche Situationen. Beim Barbecue oder auf Partys wird hier ohnehin gern über Job, Einkommen und Karriere geplaudert. Wirkliche Verblüffung löst man allerdings beim Thema Urlaub aus. "Sie haben sechs Wochen Ferien im Jahr? Die nehmen Sie auch?", fragte jüngst baff erstaunt ein Rechtsanwalt einen deutschen Besucher. Die Urlaubsgewohnheiten der Europäer scheinen manchen Amerikanern wie Geschichten aus 1001 Nacht.

Die Arbeit als Lebensmittelpunkt

Die Arbeitswelt steht für eine Mehrheit der Amerikaner ohnehin im Lebensmittelpunkt. Eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf erbrachte vor einigen Jahren, dass US-Arbeitnehmer im Durchschnitt auf 1800 Arbeitsstunden im Jahr kommen - bei den Deutschen sind es demnach fast 500 Stunden weniger. Grundlegend wird sich daran kaum etwas geändert haben. Inzwischen knapsen die amerikanischen Urlaubsmuffel aber noch weiter an ihrem kargen Urlaub.

Die USA sind das einzige westliche Land ohne gesetzlichen Anspruch der Arbeitnehmer auf Urlaub und bezahlte Feiertage. In Deutschland beträgt der vorgeschriebene Mindesturlaub 20 Tage im Jahr. In den USA erhalten laut US-Arbeitsministerium ein Viertel der Arbeitnehmer von ihren Firmen keinerlei bezahlten Urlaub. Weitere 33 Prozent nähmen lediglich eine Woche Urlaub im Jahr. Eine Untersuchung des Internet-Reisebüros "Expedia" vom Juni offenbarte, dass fast ein Drittel der Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten ihren Urlaubsanspruch nicht ausschöpften. Im Durchschnitt verzichten sie auf vier bezahlte Ferientage - 2006 seien es bloß drei Tage gewesen.

"Niemand will den Job mehr verlassen"

Gerade mal 15 bezahlte Tage hat offiziellen Angaben zufolge 2006 der US-Arbeitnehmer im Durchschnitt in Anspruch genommen. Eine Studie des angesehenen Instituts "Conference Board" in New York vom Juni ergab, dass in diesem Jahr nur etwa 40 Prozent der US-Bürger noch Ferien machen wollten - dies sei die niedrigste Zahl seit 28 Jahren, schrieb die "New York Times".

Die Idee eines zweiwöchigen Jahresurlaubs gehöre der Vergangenheit an, klagte der Sprecher des US-Automobilclubs AAA, Mike Pina. "Es ist traurig, dass die Leute offenbar ihren Job nicht mehr verlassen möchten", so Pina in der "New York Times". Als Ursachen nennen Experten die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die Krise des traditionellen Familienlebens, ein umfassendes Freizeitangebot in unmittelbarer Nähe der Metropolen oder die gestiegenen Benzinpreise - mitverantwortlich aber ist auch das protestantisch geprägte Arbeitsethos. "Amerikaner sind besessen von ihrer Arbeit", schrieb skeptisch die "National Review".

Bush macht keinen Hehl aus seiner Freude an dem für sein Land eher ungewöhnlichen Müßiggang und seiner Begeisterung für die Ranch im Wilden Westen. "Ich bin Texaner, ich liebe diesen Ort und gehe so oft dahin, wie ich kann, hier kann ich entspannen - der Job folgt einem doch ohnehin überall hin, Du bist immer Präsident", sagte er erst am Samstag. So ähnlich sieht es auch der normale Arbeitnehmer in den USA. Einer Gallup-Studie zufolge bleiben 74 Prozent aller urlaubenden Arbeitnehmer und Mittelständler über Laptop und Handy im Kontakt mit ihrer Firma.

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