Urlaubsverzicht : "Schläge" für Steinbrück

Der Finanzminister Peer Steinbrück erntet Entrüstung nach seinem Appell zum Urlaubsverzicht, Links-Fraktionschef Lafontaine fordert sogar seinen Rücktritt. CSU und Wirtschaft begrüßen dagegen den Vorschlag.

Berlin - Peer Steinbrück ahnte, dass es Ärger geben würde. "Wenn Sie so was verkünden, können sie öffentlich ganz schön verhauen werden", sagte der Bundesfinanzminister. In der TV-Zeitschrift "Hörzu" hatte der SPD-Politiker die Deutschen langfristig auf Mehrausgaben für Rente, Pflege und Gesundheit eingestellt und vorgeschlagen: "Wir müssen im Zweifel auf eine Urlaubsreise verzichten, um für später vorzusorgen."

Der Aufschrei war groß. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nannte die Forderung Steinbrücks, der gerade einen Ostsee-Urlaub auf Usedom hinter sich hat, "besonders frech". FDP-Chef Guido Westerwelle sprach bereits am Vortag von "blankem Zynismus". Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine legte Steinbrück gar den Rücktritt nahe. "Für Deutschland wäre es gut, wenn Steinbrück lange Urlaub nähme", sagte der Ex-Finanzminister.

Beifall von CSU und Wirtschaft

Der SPD-Nachwuchs sieht Steinbrücks Aufruf ebenfalls "neben der Sache". Gerade junge Familien verzichteten heute unter großen finanziellen und zeitlichem Druck auf Urlaub, sagte Juso-Chef Björn Böhning. Er empfahl: "Der Finanzminister sollte öffentlich fünf Jahre lang auf Urlaub verzichten und das Geld spenden."

Beifall bekam der Sozialdemokrat Steinbrück immerhin aus der CSU und der Wirtschaft. Sie gingen sogar noch einen Schritt weiter. Der CSU-Mittelstandsexperte Hans Michelbach und der CSU-Abgeordnete Andreas Scheuer brachten den Verzicht auf ein bis zwei Urlaubstage zur Job-Sicherung ins Gespräch. Der Chef des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, findet ohnehin, dass die Deutschen zu viel Urlaub haben: "Ein Verzicht auf einige Urlaubstage wäre ein gutes Signal für das anziehende Wachstum", argumentierte er.

Tourismus-Branche verärgert

Die Reisebranche reagierte verärgert auf Steinbrück. Dirk Dunkelberg, Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Tourismus-Verbandes, verwies darauf, dass die Deutschen bereits an den Urlaubsorten selbst sparten. Im Wirtschaftsministerium werde man Steinbrücks Idee kaum teilen, mutmaßte Dunkelberg.

Das Ministerium meldete sich in Gestalt des dort angesiedelten Tourismusbeauftragten Ernst Hinsken (CSU) zu Wort. "Urlaub heißt entspannen, sich erholen und regenerieren, um anschließend wieder schlagkräftig ans Werk zu gehen. Die schönsten Wochen des Jahres sollte man jedem Bürger gönnen und nicht vermiesen", betonte Hinsken. Der CDU-Tourismusexperte Klaus Brähmig mahnte mit Blick auf die Reisesektor mit 2,8 Millionen Beschäftigten und 140 Milliarden Euro Jahresumsatz: "Wir sollten ihn nicht kaputtreden." (Von Stefan Uhlmann, ddp)

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