Urlaubsziele : Mallorca ist zu voll

Die liebste Urlaubsinsel der Deutschen ist überfüllt - Mallorca. Die neue Regierungschefin, Francina Armengol, plant deshalb radikale Änderungen.

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Die sozialdemokratische Regierungschefin der Balearen-Inseln, Francina Armengol. Geboren wurde sie in Inca auf Mallorca.
Die sozialdemokratische Regierungschefin der Balearen-Inseln, Francina Armengol. Geboren wurde sie in Inca auf Mallorca.Foto: promo

Das Paradies Mallorca ist überfüllt. Der Massentourismus hat der Umwelt schwer zugesetzt und Staus, zerstörte Küsten sowie Wasserprobleme mit sich gebracht. Mallorca droht an seinem eigenen Erfolg zu sterben. Deswegen will Francina Armengol auf die Bremse treten. Die neue Regierungschefin der Baleareninseln, zu denen Mallorca und Ibiza gehören, kündigt eine radikale Wende in der Tourismuspolitik an.

„Wir wollen einen nachhaltigeren Tourismus“, sagt die 43-jährige Sozialdemokratin: Mehr Küsten- und Umweltschutz, weniger Beton, mehr Klasse als Masse, also weniger billigen Sauftourismus. Und dafür sorgen, dass die Insel „für eine andere Art von Urlaub“ bekannt werde.

Armengol will für Mallorcas Tourismusbranche mehr Klasse, weniger Masse

Die ersten Ankündigungen aus Armengols Regierungspalast an der Promenade von Palma sorgten bereits für Aufregung in der Hotelbranche, die um ihre Einnahmen fürchtet. Etwa die neue „ecotasa“ (Ökoabgabe), die vermutlich von 2016 an von jedem Touristen erhoben wird. Sie soll für die Verbesserung der Infrastruktur und den Naturschutz eingesetzt werden. Oder der Plan, den immer weiter anschwellenden Touristenstrom in der Hochsaison zu bremsen. „Die touristische Kapazität im Sommer ist ausgeschöpft“, warnte Armengols Tourismusminister Biel Barceló. Vor allem mit einem „Kampf gegen die Saisonabhängigkeit“ will Armengol gegensteuern: Der Mallorca-Besuch in der Nebensaison soll attraktiver gemacht werden. Die meisten der jährlich zehn Millionen Touristen stürmen im Sommer die Insel, auf der 865 000 Menschen ihren Wohnsitz haben.

Mallorcas Regierungschefin sagt den All-Inclusive-Angeboten den Kampf an

Auch die in vielen Hotels in Mode gekommenen All-Inclusive-Angebote seien wenig nachhaltig und sollten begrenzt werden, findet Armengol. Weil jene Hotelgäste, die alle Mahlzeiten und Getränke in ihrer Herberge im Preis eingeschlossen haben, kaum noch ihre Anlagen verlassen und somit die lokale Wirtschaft leer ausgehe.

Der ungezügelt wachsende Tourismus müsse in gesunde Bahnen gelenkt werden, sagt die gelernte Apothekerin, die im mallorquinischen Inca geboren wurde. Seit 20 Jahren ist sie in der Inselpolitik aktiv: Als Incas Bürgermeisterin, Insel-Abgeordnete und jetzt als Ministerpräsidentin der ganzen Balearen-Inselgruppe. Sie steht einem Mitte-links-Pakt vor, der im Parlament von der neuen Protestbewegung Podemos gestützt wird.

Armengol hat viel vor. Und sie bekennt, dass ihr größter Antrieb ihr Heimatgefühl ist: „Ich liebe diese Inseln.“

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