Ursula von der Leyen : „Die Frauenquote trägt dazu bei, unseren Wohlstand zu sichern“

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen spricht im Tagesspiegel-Interview über die Zukunft deutscher Unternehmen und unterschiedliche Auffassungen der Koalition zur Euro-Rettung und zum Mindestlohn.

von und
Die stellvertretende CDU- Bundesvorsitzende streitet energisch für eine gesetzliche Frauenquote, obwohl das in der Bundesregierung viele ablehnen.
Die stellvertretende CDU- Bundesvorsitzende streitet energisch für eine gesetzliche Frauenquote, obwohl das in der Bundesregierung...Foto: Mike Wolff

Frau Ministerin, ausgerechnet in der Euro-Krise sendet die Koalition uneinheitliche Signale. Hat die Bundesregierung überhaupt noch einen gemeinsamen Kurs?

Natürlich. Wir sind fest entschlossen, in der Euro-Krise Vertrauen zurückzugewinnen. Das ist die wichtigste Aufgabe. Wir müssen das Vertrauen stärken, dass die Euro-Zone zusammenhält, dass wir die notwendigen Reformen umsetzen und eine solide Haushaltspolitik betreiben. Das ist eine Herkulesaufgabe, aber wir stellen uns dieser Aufgabe.

Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) scheint Ihr Ziel nicht so wichtig zu sein. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone schreckt ihn nicht.

Für Deutschland ist ganz klar, dass ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone dramatische Folgen hätte. Wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, dann geht das nur in einem gemeinsamen Europa.

Bricht die Euro-Zone auseinander, wenn Griechenland austritt?

Griechenland ist weder Ursache noch Lösung der Euro-Krise. Es umfasst nur zwei Prozent des europäischen Bruttosozialproduktes. Es hat aber einen hohen Symbolwert. Verlieren wir Griechenland, dann würde sofort die Frage aufgeworfen, wer der Nächste ist. Und niemand sollte sich auch der Illusion hingeben, ein ausgeschiedenes Griechenland wäre für uns kein Problem mehr. Das Land würde so dramatisch verarmen, dass wir Europäer nicht tatenlos zusehen könnten.

Viele Deutsche beschleicht das Gefühl, sie müssten für einen Traum von Europa zahlen. Wo ist die Grenze erreicht?

Wir zahlen nicht für einen Traum von Europa. Wir zahlen im Augenblick für die Fehler, die wir in der Vergangenheit gemacht haben. Es war ein Fehler, eine gemeinsame Währung einzuführen, ihr aber keine politische Union an die Seite zu stellen, also verbindliche Vereinbarungen für eine gemeinsame Haushalts- und Finanzpolitik. Entscheidend ist jetzt, dass die Euro-Zone als Ganzes erhalten bleibt. Nur so werden wir im globalen Wettbewerb eine Chance haben. Es stimmt: Die Krise kommt uns teuer zu stehen. Aber viel teurer wäre ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone.

Die Deutschen werden aus dem Ausland gedrängt, noch mehr zu tun für die Rettung des Euro. Zu Recht?

Wenn ich im Ausland unterwegs bin, werde ich ständig gefragt, ob Deutschland zu Europa steht. Es irritiert unsere europäischen Partner und die Märkte, wenn in der Euro-Krise aus der deutschen Politik unterschiedliche Signale kommen. Deshalb halte ich es für existenziell wichtig, zu betonen, dass wir wissen, dass es uns immer gut gegangen ist, wenn es Europa gut ging, wenn es Spanien, Italien und den anderen Partnern gut geht und wir unverbrüchlich in Europa zusammenstehen.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

45 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben