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Urwahl bei der UMP : Copé wird neuer Chef der französischen Konservativen

Chaotische Zustände bei Frankreichs UMP: Nach der Urwahl zum Parteivorsitzenden erklären sich zunächst beide Kandidaten zum Sieger. Am Ende kann sich der bisherige Generalsekretär Jean-François Copé mit einem hauchdünnen Vorsprung durchsetzen.

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Jean-Francois Copé ist von der Parteibasis zum neuen Vorsitzenden der französischen UMP gewählt worden.
Jean-Francois Copé ist von der Parteibasis zum neuen Vorsitzenden der französischen UMP gewählt worden.Foto: reu

Aus der Urwahl zum neuen Parteichef der oppositionellen französischen Konservativen ist UMP-Generalsekretär Jean-François Copé als Sieger hervorgegangen. Wie die Partei am späten Montag mitteilte, schlug Copé seinen Herausforderer, den früheren Premierminister François Fillon, mit einem hauchdünnen Vorsprung und erreichte 50,03 Prozent.

Nach der Wahl am Sonntag hatten sich zunächst beide Politiker zum Sieger erklärt. In der französischen Presse war die Rede von Anarchie, Desaster und Psychodrama. 280 000 Mitglieder der „Union für eine Volksbewegung“ waren aufgerufen, zwischen Copé, dem bisherigen Generalsekretär, und Ex-Premier Fillon zu wählen. Doch statt eines Ergebnisses konnte die „erste Partei Frankreichs“, wie sie sich anspruchsvoll nennt, am Ende der Wahlnacht zunächst nur ein Durcheinander sich widersprechender Zahlen und gegenseitiger Betrugsvorwürfe vorweisen. Dieses Chaos hielt auch noch am Montag an. Noch bevor am Morgen die Kommission zusammentrat, die Département für Département die Stimmzettel neu auszählen sollte, nahmen die beiden Rivalen ihre Feindseligkeiten wieder auf. Trotz der „Manipulationen der Gegenseite“ erneuerte Copé mit einem angeblichen Plus von rund 1000 Stimmen seinen Anspruch auf den Sieg und forderte Fillon auf, seine Niederlage anzuerkennen. Dessen Büro wiederholte prompt die Vorwürfe „massiven Betrugs“ des gegnerischen Lagers und beharrte darauf, dass er einen Vorsprung von 224 Stimmen gegenüber Copé vorweisen könne.

Die Neuauszählung der Stimmzettel zog sich am Montag bis in den späten Abend hin. Am Ende hatte Jean-François Copé die Nase vorn. Kurz nach 22.30 Uhr wurde er offiziell als Parteichef bestätigt. Doch das war angesichts der Katerstimmung in den Reihen der UMP fast schon egal. Die UMP war 2002 aus dem Zusammenschluss der dominierenden gaullistischen RPR mit der kleineren rechtsliberalen UDF entstanden. Der erste große Versuch, den Parteichef nicht mehr wie zuzeiten von Ex-Parteichef Jacques Chirac per Akklamation, sondern durch eine demokratische Urwahl zu bestimmen, führte jetzt zur Krise. Sie ist offenkundig so gravierend, dass sie den Ex-Premierminister Alain Juppé veranlasste, vor einem Auseinanderbrechen der Partei zu warnen. So weit muss es nicht kommen. Doch der Machtkampf zwischen dem aggressiven Copé und dem staatsmännischen Fillon wird mit der Verkündung eines Siegers nicht beendet sein. (mit afp)

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