Politik : „US-Angriff auf Iran würde zu langem Krieg führen“

Britischer Friedensforscher Rogers warnt: Teheran wird sein Atomprogramm dann verstärken

Harald Schumann,Hans Monath

Berlin - Ein Angriff der USA auf die Atomanlagen in Iran würde „mehrere tausend Opfer in den ersten Tagen“ fordern und in einen „lang anhaltenden Krieg eskalieren“. Diese Warnung erhob der renommierte britische Nahost-Experte und Friedensforscher Paul Rogers im Interview mit dem Tagesspiegel. Um militärische Reaktionen Irans zu verhindern, würden die USA bei einem Angriff nicht nur Irans Nuklear-Einrichtungen zerstören, sondern auch Luftabwehrstellungen, mobile Raketenrampen und die Fabriken zur Raketenherstellung, sagte Rogers. In den letzten Wochen hatten internationale Medien und auch der Tagesspiegel über US-Angriffspläne berichtet.

Als Folge eines solchen Angriffs rechnet Rogers mit einer Mobilisierung aller Kräfte in Iran, um die Herstellung von Atomwaffen zu beschleunigen. Er sei sicher, „dass Iran sofort seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag kündigen und alle Anstrengungen auf den Bau von Atomwaffen konzentrieren würde“, sagte Rogers und berief sich auf Gespräche mit führenden Wissenschaftlern des Landes. In der Konsequenz müssten erneut Angriffe erfolgen, die Iran vermutlich mit einer Unterbrechung der Öltransporte in der Straße von Hormus und einer Ausweitung des Krieges auf den Irak beantworten werde.

Rogers hatte auch vor dem Irakkrieg gewarnt, dass dieser einen anhaltenden Aufstand gegen die Besatzung und starken Auftrieb für die Terrororganisation Al Qaida provozieren würde.

Der als Kenner der Golfregion ausgewiesene Experte forderte Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf, die moderaten Kräfte in Iran zu stützen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad genieße nicht die einhellige Unterstützung aller Iraner. Aber die aggressiven Erklärungen aus Israel und denUSA würden auch seine Gegner zwingen, sich hinter ihn zu stellen. „Die Eskalation liegt in seinem Interesse“, sagte Rogers.

Deutschland und Großbritannien forderten Iran erneut zum Einlenken auf. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair in Berlin, beide Partner seien sich einig, dass Teheran wieder eine Position einnehmen müsse, „die eine Kooperation möglich macht“. Blair forderte eine „klare nachdrückliche Haltung“, aber „natürlich auf diplomatischem Wege“. Deutschland hegt laut Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) den Verdacht, dass Iran ein militärisches Atomprogramm verfolgt. Steinmeier sagte, er teile die Befürchtung seines französischen Kollegen Philippe Douste-Blazy. Dieser hatte Teheran vorgehalten, ein „geheimes militärisches Atomprogramm“ zu betreiben. Gewissheit werde aber erst der Bericht der Atomenergiebehörde an den UN-Sicherheitsrat am 6. März bringen, sagte Steinmeier.

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