US-Angriff : Schwere Kämpfe in Afghanistan

Bei neuerlichen Gefechten in der südafghanischen Unruheprovinz Kandahar sind nach US-Angaben möglicherweise bis zu 80 Menschen ums Leben gekommen. Bei 16 der Toten habe es sich um Zivilisten gehandelt. Auch die Bundeswehr im Norden des Landes wurde Ziel eines Anschlags.

Kabul - Bei einem Angriff der US-geführten Koalitionstruppen auf Taliban-Stellungen in der südafghanischen Provinz Kandahar sind nach offiziellen afghanischen Angaben mindestens 77 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien 16 Zivilisten und mehr als 60 Kämpfer der radikal-islamischen Rebellen, sagte der Gouverneur von Kandahar, Asadullah Khalid, am Montag. Weitere 15 Zivilisten seien verletzt worden. Zu den Opfern unter der Zivilbevölkerung sei es gekommen, weil sich die Rebellen in deren Häusern verschanzt gehabt hätten. Die US-Armee sprach von bis zu 80 getöteten Taliban-Kämpfern.

Die US-Streitkräfte teilten mit, die Koalitionstruppen seien sich der Berichte über zivile Opfer bewusst und untersuchten die Lage vor Ort. Ziel der Operation sei gewesen, mutmaßliche Terroristen festzunehmen. Beschossen worden seien nur Gebäude, in denen sich Rebellen verschanzt gehabt hätten. Fünf Extremisten seien gefangen genommen worden. Angaben über Verluste der Koalitionstruppen machten die US-Streitkräfte nicht. Ein Augenzeuge berichtete, amerikanische Kampfhubschrauber und Flugzeuge hätten den Ort im Distrikt Panj Wayee in der Nacht zum Montag gegen 23.00 Uhr angriffen.

Nach der Eskalation der Gewalt in Südafghanistan wurde am Montag auch die Bundeswehr im Norden des Landes zum Ziel eines Anschlags. Niemand sei bei der Explosion in der Provinz Kundus verletzt oder getötet worden, sagte der Bundeswehr-Sprecher im nordafghanischen Masar-i-Scharif, Markus Werther, der dpa. Ein Spürpanzer vom Typ Fuchs sei bei der Detonation schwer beschädigt worden.

Kurz zuvor war es zu einem weiteren Anschlag auf die internationale Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan gekommen. Betroffen von diesem Anschlag waren tschechische Soldaten auf einer Patrouille in Faisabad, wo ebenfalls die Bundeswehr stationiert ist. Auch dort sei niemand verletzt oder getötet worden, sagte ein Isaf- Sprecher in Kabul. Ein Fahrzeug sei beschädigt worden. Beim Isaf- Einsatz sind bislang 18 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.

Im unruhigen Süden Afghanistans hatte es in der vergangenen Woche heftige Gefechte gegeben, die zu den schwersten seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 gehörten. Seit vergangenem Mittwoch kamen bei Anschlägen und Kämpfen in Afghanistan rund 200 Menschen ums Leben. Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den vergangenen Wochen wieder deutlich verschlechtert.

Pakistan wies unterdessen erneut Vorwürfe der afghanischen Regierung zurück, wonach Terroristen von Pakistan aus Anschläge in Afghanistan koordinierten. Für das «Versagen» der Regierung in Kabul, die schlechte Sicherheitslage in den Griff zu bekommen, könne nicht Pakistan verantwortlich gemacht werden, sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Islamabad, Tasneem Aslam.

Die US-Armee teilte weiter mit, bei einer Operation in der südafghanischen Provinz Urusgan sei ein Taliban-Kommandeur gefangen genommen worden. Mullah Mohibullah sei unter anderem für einen Hinterhalt verantwortlich, bei dem ein US-Soldat getötet und mehrere andere verletzt wurden.

Im Süden Afghanistans sind radikal-islamische Rebellen besonders aktiv. Die USA wollen die Zahl der Koalitionssoldaten dort abbauen, dafür soll die Isaf mehr Verantwortung in der Unruheregion übernehmen. Deutsche Soldaten sollen aber nicht im Süden stationiert werden. Die Bundeswehr übernimmt stattdessen im Juni das Kommando über die Isaf im gesamten Norden Afghanistans. (tso/dpa)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar