Politik : US-Armee tötet Top-Terroristen im Irak

Sarkawi organisierte die Al-Qaida-Anschläge / Bush spricht von einem „Sieg gegen den Terror“

Frank Jansen

Berlin – Die amerikanische Luftwaffe hat im Irak mit einem Bombenangriff den Terroristenführer Abu Mussab al Sarkawi getötet. Der mit Al Qaida lose verbündete Jordanier war einer der drei weltweit am meisten gesuchten militanten Islamisten. Die USA hatten für seine Ergreifung 25 Millionen Dollar ausgesetzt, so viel wie sonst nur für Al-Qaida-Chef Osama bin Laden und dessen Stellvertreter Aiman al Sawahiri. Der Luftangriff erfolgte Mittwochabend gegen 18 Uhr 15 und traf Sarkawi sowie sieben seiner Anhänger in einem Gebäude nahe der Stadt Bakuba, 60 Kilometer nördlich von Bagdad. Auf das Versteck wurden zwei je 500 Pfund wiegende Präzisionsbomben abgeworfen. Auch die sieben Gefolgsleute Sarkawis kamen ums Leben.

Der 39-jährige Jordanier, dessen richtiger Name Ahmad Fadil al Khalaileh lautet, ist für zahlreiche schwere Anschläge im Irak verantwortlich. Die Attentate richteten sich gegen die Amerikaner, andere westliche Ausländer, gegen die irakischen Sicherheitskräfte und gegen die Bevölkerungsmehrheit der Schiiten, die Sarkawi besonders verhasst war. Die Terrorgruppe des Jordaniers nahm auch Geiseln. Der US-Bürger Nicholas Berg wurde im Mai 2004 enthauptet. Sarkawi steckte auch hinter den Selbstmordattentaten auf drei Hotels in der jordanischen Hauptstadt Amman im November 2005. Dabei kamen 60 Menschen ums Leben.

US-Präsident George W. Bush nannte den Tod Sarkawis einen „Sieg im weltweiten Kampf gegen den Terror“ und eine Chance für die neue Regierung im Irak. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung gratulierte seinem US-Kollegen Donald Rumsfeld. Kanzlerin Angela Merkel sprach von einer „guten Nachricht“.

Für den Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, ist die Bedeutung des Todes von Sarkawi „gar nicht hoch genug einzuschätzen“. Sarkawi habe mit seiner Gewalttätigkeit weltweit das Interesse der Medien auf sich gezogen und über eine enorme Anziehungskraft auf die islamistische Terrorszene verfügt, sagte Uhrlau dem Tagesspiegel. Er warnte aber davor, nun die Terrorgefahr zu unterschätzen. Die Handlungsfähigkeit zumindest von Teilen des internationalen Terrornetzwerks sei „nicht nachhaltig beeinträchtigt“. Gegen Sarkawi, der wegen mehrerer Anschläge und Attentatsversuche in Jordanien zum Tode verurteilt wurde, war auch in Deutschland ein Verfahren anhängig. Die Bundesanwaltschaft ermittelte wegen „Rädelsführerschaft“ in einer terroristischen Vereinigung. Im April 2002 nahm das Bundeskriminalamt Mitglieder der von Sarkawi geführten Gruppierung Al Tawhid fest, die in Deutschland Anschläge auf jüdische Einrichtungen verüben wollten.

Sarkawi kämpfte in den 80er Jahren in Afghanistan gegen die Rote Armee. Von 1999 bis 2001 leitete er in dem Land ein Camp zum Training von Terroristen. Nach dem Einmarsch der Amerikaner 2001 floh Sarkawi in den Nordirak. 2004 schloss er mit Al Qaida ein vages Bündnis.

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