US-Demokraten : Obama kämpft gegen die Zweifler

Kein anderer Anwärter auf die Präsidentschaft weckt in den USA so viel Neugier wie der charismatische junge Senator Barack Obama. Doch gegen Hillary Clinton zieht er bislang den Kürzeren.

Peter Wütherich[AFP]
Obama und Clinton
Hinter Hillary. Die ehemalige First Lady hält Barack Obama auf Distanz. -Foto: AFP

WashingtonDer Hoffnungsträger der Demokraten nimmt sich Zeit. Doch der 45-jährige Barack Obama hat den Durchbruch noch nicht geschafft. In Umfragen unter Anhängern der US-Demokraten steht er konstant mit klarem Abstand auf Platz zwei hinter der früheren First Lady Hillary Clinton. Für seine Anhänger verkörpert Obama die Sehnsucht nach einem politischen Neubeginn. Für alle anderen ist er allenfalls ein Versprechen, das erst noch eingelöst werden muss. Ob Obama das Zeug zum Präsidenten hat, muss er noch beweisen.

"Obama ist vor einem halben Jahr mit lautem Getöse in den Wahlkampf gestartet", sagt Dan Shea, Politikprofessor am Allegheny College in Pennsylvania. "Nun muss er erst einmal einen Lernprozess durchmachen." Im Washingtoner Politikbetrieb ist Obama ein Neuling, erst seit gut zwei Jahren sitzt er im Senat. Wie mühsam der Lernprozess auf nationaler Bühne ist, ließ sich bei Obamas Auftritt in der Debatte der acht demokratischen Kandidaten im Fernsehsender CNN am Montagabend studieren: Keine Patzer, aber auch kein glänzender Auftritt, der ihn zum Sieg tragen würde. Dafür immer wieder seine zentrale Botschaft: "Die Menschen haben den dringenden Wunsch nach einem Wechsel in Washington."

Obamas rhetorisches Talent ist unbestritten. Tausende strömen regelmäßig zu seinen Auftritten und bejubeln ihn wie einen Rockstar. Er wirkt wie ein Prediger, wenn er seine Heilsbotschaft von einem gerechten Amerika verkündet, das die politischen Auseinandersetzungen der Vergangenheit und die Gegensätze zwischen Schwarz und Weiß hinter sich gelassen hat. "Ich will ein Land, in dem die Hautfarbe eines Kindes nicht mehr darüber entscheidet, ob sich seine Träume erfüllen", sagte Obama in der TV-Debatte. Mit der Forderung nach einem Abzug aus dem Irak, erschwinglicher Krankenversicherung und Bildung setzte der Senator auf populäre Themen. Kritiker halten ihm aber vor, bei konkreten Fragen zu vage zu sein.

Charisma gegen Kompetenz

Am Tag der Fernsehdebatte konnte Obama in der Zeitung nachlesen, wie es um seine Kampagne steht. 45 Prozent der Demokraten-Anhänger wünschen sich Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin, hieß es in einer Umfrage der "Washington Post". Nur 30 Prozent sprachen sich für Obama aus, der erster farbiger Präsident der USA werden will. Der Abstand ist seit Monaten konstant. An der früheren First Lady, der in Umfragen durchweg die höhere Sachkompetenz zugebilligt wird, muss sich Obama messen lassen. Charisma gegen Kompetenz: Vor dieser Entscheidung könnten die Demokraten stehen, wenn sie in den Vorwahlen ab Januar 2008 ihren Kandidaten für die Wahl bestimmen.

Bis dahin wird Obama beweisen müssen, dass er kein Leichtgewicht ist. Sein republikanischer Senatskollege Trent Lott stichelt: "Ich denke nicht, dass er genug Erfahrung hat, um Präsident zu sein, besonders in der Verteidigungs- und Außenpolitik." Überraschend ist Kritik vom politischen Gegner zwar nicht. Doch lässt sie immerhin ahnen, welcher Vorwürfe sich Obama erwehren müsste, sollte er doch Kandidat der Demokraten werden.

Mit einer Werbeoffensive versuchen Obamas Wahlkampfberater nun, den Zweifeln an ihrem Kandidaten entgegenzutreten. Im wichtigen Vorwahlstaat Iowa zeichnen TV-Spots den Werdegang Obamas vom Sohn eines Einwanderers aus Kenia über das Jurastudium in den Senat nach. Dem Senator kommt dabei zu Hilfe, dass er im zweiten Quartal 32,5 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eingetrieben hat - mehr als Hillary Clinton und ein neuer Rekord. "Im Moment sind das aber nur Dollars", sagt Cary Covington, Politikprofessor an der University of Iowa. "Es muss sich erst noch zeigen, dass das Geld sich auf die Umfragen auswirkt."

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