US-Diplomat : ''Afghanistan braucht noch 15 Jahre Hilfe''

Der erste amerikanische Botschafter in Afghanistan nach dem Sturz der Taliban, Robert P. Finn, hält ein westliches Engagement von weiteren 15 Jahren für notwendig, um Afghanistan wirtschaftlich zu stabilisieren und die öffentliche Sicherheit wiederherzustellen.

BerlinWie der US-Diplomat am Montag bei einem Vortrag in der American Academy sagte, seien die bislang vom Westen gezahlten Hilfsgelder bei weitem nicht ausreichend. Der Lebensstandard der Bevölkerung müsse spürbar steigen und es müsse wesentlich mehr „sichtbare Entwicklung“ geben, forderte Finn. „Afghanistan ist der Lackmustest nicht nur für die USA, sondern für die ganze internationale Gemeinschaft“, sagte er. Wenn der Einsatz in Afghanistan scheitere, sei auch die Zukunft der Nato gefährdet.

Finn nannte die afghanische Zentralregierung unter Präsident Hamid Karsai „sehr schwach“. Er kritisierte vor allem die mangelnde Qualifikation vieler Regierungsmitglieder, den aufgeblähten und ineffizienten Verwaltungsapparat sowie die Verwicklung der Regierung in den Drogenhandel. Nach Angaben Finns macht der Drogenanbau mittlerweile mehr als 50 Prozent des Bruttosozialprodukts von Afghanistan aus. Allein im letzten Jahr sei die Drogenproduktion um 14 Prozent gestiegen und damit größer als die von Kolumbien, Bolivien und Ekuador zusammen. M.G.

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