Politik : US-Energiepolitik: Der erste Bohrer für Alaska

Malte Lehming

Welcher aufrechte Amerikaner will schon von der Gnade Saddam Husseins abhängen? Knapp 20 Milliarden Barrel (159 Liter) Erdöl werden in den USA täglich verbraucht. Mehr als die Hälfte dieser Menge muss aus dem Ausland importiert werden, darunter dem Irak. Das tut weh. "Vielleicht mögen einige von uns keine Ölfirmen bei sich vor der Haustür, aber das ist immer noch besser, als von Saddam Hussein beliefert zu werden", rief am Mittwoch ein republikanischer Abgeordneter während der 12-stündigen, zum Teil hitzigen Energie-Debatte im US-Repräsentantenhaus aus.

Am Ende der Redeschlacht verbuchte die Regierung von Präsident George W. Bush einen überwältigenden Sieg. Das umstrittene Energiepaket, das von Vizepräsident Dick Cheney ausgearbeitet worden war, wurde in seinen wesentlichen Teilen bestätigt. Selbst das Bohren nach Erdöl und Erdgas in einem Naturschutzgebiet in Alaska wurde genehmigt. Für die Umweltschützer bedeutet das die größte Schlappe. Gleich dahinter rangiert die Zurückweisung der Forderung, die äußerst beliebten, aber enorm viel Benzin schluckenden Minivans sparsamer zu machen. Dagegen hatten besonders die Vertreter der Automobilindustrie protestiert.

Das mit den Stimmen des mehrheitlich von den Republikanern besetzten Repräsentantenhauses verabschiedete Gesetzespaket sieht Steuererleichterungen für die Energieindustrie in Höhe von 33,5 Milliarden Dollar (73,8 Milliarden Mark) vor. Außerdem soll die Entwicklung umweltschonender Energien gefördert werden. In seinem Kernstück sieht der Plan den massiven Ausbau der Gas-, Öl- und Kohle-Produktion sowie die Erschließung bislang ungenutzter Energiequellen vor. In den kommenden 20 Jahren sollen bis zu 1900 neue Kraftwerke gebaut werden, darunter auch Atomkraftwerke.

Seit 1950 gibt es das Naturschutzgebiet "Arctic National Wildlife Refuge" in Alaska. Umweltschützer warnen davor, diese "Kathedrale der Natur" durch Ölbohrungen zu zerstören. Jetzt hoffen die Umweltschützer auf die zweite Kammer des Kongresses, den Senat, in dem die Demokraten in der Mehrheit sind. Dort muss die Gesetzesvorlage gebilligt werden. Die Demokraten haben bereits angekündigt, insbesondere die Ölbohrungen in Alaska verhindern zu wollen.

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