Politik : US-Generäle raten von Einmarsch in den Irak ab

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Washington (dpa/Tsp). Spitzenvertreter des US-Militärs haben nach Medienberichten der zivilen Pentagon-Führung bei mehreren Treffen von einer Invasion des Iraks noch in diesem Jahr abgeraten. Sie glaubten, dass ihre Überzeugungsarbeit erfolgreich gewesen sei und die Politiker davon überzeugt worden seien, einen Angriff auf frühestens nächstes Jahr zu vertagen und vielleicht ganz darauf zu verzichten.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der stellvertretende Generalstabschef Peter Pace traten unterdessen dem Eindruck entgegen, das Militär wäre im Fall einer Anordnung zur Invasion gar nicht in der Lage, sie durchzuführen. „Wir stehen bereit, jede Mission auszuführen, die uns von der politischen Führung auferlegt wird“, sagte Pace. Ähnlich äußerte sich Rumsfeld. Pace deutete aber zugleich an, dass der Generalstab ein Hinausschieben jedweder Militäraktion zum Sturz von Präsident Saddam Hussein bevorzugen würde.

Die Medienberichte stützen sich auf Pentagon-Quellen. Danach hat der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Afghanistan- Krieg, Tommy Franks, darauf hingewiesen, dass für eine Invasion zum Sturz von Präsident Saddam Hussein mindestens 200 000 Soldaten nötig wären. Das ist eine weitaus größere Zahl, als Militärexperten sie bisher genannt hatten. Der Generalstab habe als weitere Bedenken ins Feld geführt, dass die USA im Falle einer Invasion in Bagdad in einen blutigen Stadtkampf mit Tausenden von Opfern unter den Amerikanern und irakischen Zivilisten verwickelt werden könnten.

Ferner wurde den Berichten zufolge argumentiert, dass ein mit seiner Entmachtung oder gar seinem Tode konfrontierter Saddam alle noch vorhandenen Rücksichten aufgeben und chemische oder biologische Waffen einsetzen könnte. Man habe den Politikern auch vor Augen gehalten, dass zurzeit kein Nachfolger in Sicht sei, der sich positiv von Saddam unterscheiden würde und dass ein Nachfolge-Regime möglicherweise noch aggressiver und anti-westlicher eingestellt sein könnte.

Die „New York Times“ berichtete am Freitag zudem über eine geheime Kriegssimulation im Pentagon. Sie habe ergeben, dass die USA einen Krieg gegen den Irak gewinnen könnte, aber eine Militäraktion die Streitkräfte und Ausrüstung bis zum Äußersten beanspruchen würde.

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