US-Karikatur : Obama als Islamist - "Geschmacklos"

Der linksliberale "New Yorker" hat sich mit einer Karikatur in die Nesseln gesetzt, die Präsidentschaftskandidat Obama als Islamisten im Oval Office darstellt - seine Frau trägt eine Kalaschnikow, im Kamin brennt die US-Flagge. Obwohl die Darstellung ironisch gemeint war, ist Obamas Wahlkampfstab nicht begeistert - ganz im Gegenteil.

Jörg Vogler
Karikatur Obama
Da bleibt die Frage nach dem Zweck der Karikatur. -Foto: AFP

Der Wahlkampfstab von Barack Obama ist wenig begeistert von einer Karikatur, die den Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten als Islamisten darstellt - obwohl das Magazin "The New Yorker", das die Zeichnung druckte, auf der Seite des Demokraten steht. Die Karikatur, die am Montag auf der Titelseite des linksliberalen Wochenmagazins erschien, zeigt Obama im Oval Office des Weißen Hauses in islamischer Kleidung, seine Frau Michelle trägt eine Kalaschnikow am Körper. Im Kamin brennt eine US-Fahne und an der Wand hängt ein Bild von Osama bin Laden.

Das Magazin wollte damit eigenen Angaben zufolge die gegen den Christen Obama gerichtete "Angst- und Desinformationskampagne" rechter Kreise auf die Schippe nehmen, wonach der Präsidentschaftsbewerber ein radikaler Muslim ist, der sich nach außen hin nicht als solcher zu erkennen gebe. Deshalb habe jedes schmierig-rechtskonservative Klischee in der Zeichnung "The Politics of Fear" verbraten.

Frühere Cover des Zeichners ebenfalls nicht unumstritten

Obama-Sprecher Bill Burton sagte, viele Leser würden die Karikatur dennoch als "geschmacklos und verletzend" empfinden - "so geschmacklos, wie es nur sein kann". Obama selbst äußerte sich ausweichend: "I have no response for that."

Der Karikatur zur Seite gestellt ist ein 18-seitiges Porträt über den Kandidaten der Demokraten, das Obamas Karriere nachzeichnet und zu dem Schluss kommt, Obama sei ein kühl kalkulierender Politiker, der dabei sei, "a master of the game" zu werden. Die Zeichnung "hält den Vorurteilen und dunklen Unterstellungen einen Spiegel vor", erklärt der Herausgeber, David Remnick.

In die selbe Bresche schlägt der Zeichner der Karikatur, Barry Blitt, der inzwischen auf die Vorhaltungen reagierte und zu Protokoll gibt: "Die Idee, die Obamas seien unpatriotisch dargestellt, ist absurd. Mir schwebte vor, zu zeigen, wie lächerlich und angstschürend es ist, wenn man dieses Konzept einfach abzeichnet." Er brauche zudem noch ein paar Tage, um sich klar darüber zu werden, ob er die Karikatur bereue.

Die Reaktionen in den US-Medien sind indes gespalten. Die Politikwissenschaftlerin Ann Althouse etwa nennt das Cover in der "New York Times" eine "komische Verulkung von Ängsten vor und Lügen über Obama." Und die Tageszeitung "Chicago Tribune" fragt sich: Wird das Magazin eine ähnliche provokante Satire auf den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, John McCain, bringen?

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben