Politik : US-Militäraktion: Washington schmiedet Koalition

Nach den Terroranschlägen in New York und Washington arbeitet die US-Regierung mit Hochdruck an einer internationalen Koalition für einen Vergeltungsschlag. Die Aktion werde sich wahrscheinlich gegen den mutmaßlichen saudischen Terroristenführer Osama bin Laden und Afghanistan richten, schrieb die "Washington Post" am Donnerstag. US-Präsident George W. Bush hatte am Vortag versichert, es würden "alle Ressourcen genutzt, um den Feind zu schlagen".

Nach den NATO-Staaten haben am Donnerstag auch Japan und Australien den USA Unterstützung für eine mögliche Militäraktion zugesichert. Der australische Ministerpräsident John Anderson deutete an, dass Australien einen Passus in seinem Verteidigungspakt mit den USA aktivieren werde, der einen Angriff auf die USA gleichsetzt mit einem Angriff auf Australien. Der japanische Regierungssprecher Yasuo Fukuda sicherte den USA ebenfalls die volle Unterstützung Japans für den Fall einer Militäraktion zu. Die japanische Verfassung lässt der Regierung hinsichtlich eines Militäreinsatzes jedoch nur einen begrenzten Spielraum.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte in einer Videobotschaft an alle Soldaten und Beschäftigten des Verteidigungsministeriums, "in den kommenden Tagen" würden sich die Männer und Frauen in Uniform in die "lange Geschichte amerikanischer Militärhelden" einreihen. "Wir stehen mächtigen Feinden gegenüber, Feinden, die wir besiegen wollen", sagte Rumsfeld. "Die Aufgabe, diese schrecklichen Feinde zu besiegen - und das amerikanische Volk und das Gut der menschlichen Freiheit zu schützen - wird Ihnen zufallen."

Washington habe Pakistan als Nachbarland Afghanistans bereits zu logistischer Unterstützung gedrängt, hieß es in US-Medienberichten. Die US-Botschafterin in Islamabad traf sich am Morgen mit dem pakistanischen Militärmachthaber Pervez Musharraf. Musharraf habe den USA Kooperation zugesagt, meldete der Sender CNN.

Das Parlament in Washington stellte sich geschlossen hinter US-Präsident George W. Bush und befürwortete dessen Absicht, den Terrorismus auf der Welt mit allen Mitteln zu bekämpfen. In einer parteienübergreifenden Entschließung sprachen sich Senat und Abgeordnetenhaus am Donnerstag für Vergeltungsschläge aus und sagten zu, Geld für den angekündigten Krieg gegen den Terror bereitzustellen. Den Tätern drohte der republikanische Senator John McCain (Arizona) an: "Wir werden Euch kriegen. Möge Gott Gnade mit Euch haben, wir haben sie nicht." Tom Daschle, Mehrheitsführer im Senat und Demokrat, sagte: "Diese Anschläge waren ein Angriff auf unser Volk und auf unsere Freiheit."

Die USA haben mehrfach Militäraktionen gegen ausländische Ziele unternommen. Die Aktionen zur Vergeltung von Terroranschlägen waren aus amerikanischer Sicht als "Selbstverteidigung" gerechtfertigt. So befahl Präsident Bill Clinton 1998 nach den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania mit 230 Toten Marschflugkörper-Angriffe auf vermeintliche Stützpunkte Osama bin Ladens. Ebenso wurde eine Chemiefabrik im Sudan beschossen. Im Juni 1993 ließ Präsident Bill Clinton 27 Cruise Missiles auf das Hauptquartier des Geheimdienstes in Bagdad abfeuern. Nach Erkenntnissen der USA hatte der Irak geplant, Clintons Vorgänger George Bush im April bei einem Kuwait-Besuch ermorden zu lassen.

Die Nato sieht nach Angaben britischer Sicherheitskreise im Angriff auf Afghanistan eine Option, sollte sich bin Laden als Drahtzieher der Terroranschläge erweisen. "Es gibt zurzeit viele Spekulationen, aber dies ist eine Option", erfuhr die Agentur Reuters am Donnerstag. Die Nato dementierte jedoch Berichte, sie bereite Notfallpläne für einen möglichen Angriff auf Afghanistan auch nur vor. "Der Nato-Rat hat eine politische Stellungnahme abgegeben, er hat keine Entscheidung über eine Operation getroffen", sagte ein europäischer Nato-Diplomat.

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