US-Politik : Obama nominiert Gesundheitsministerin

US-Präsident Obama hat seine Wahl getroffen: Kathleen Sebelius, eine moderate Demokratin aus einem republikanischen Staat, soll die US-Gesundheitsreform verwirklichen und ein Krankenversicherungssystem für alle Amerikaner einführen.

Christoph von Marschall

WashingtonBarack Obama wollte die 60-Jährige, die bisher als Gouverneurin das konservative Kansas regiert, am Montagabend als Gesundheitsministerin nominieren. Der ursprüngliche Kandidat, sein Freund Tom Daschle, musste vor einem Monat zurückziehen, weil er seine Steuern nicht vollständig bezahlt hatte.

Sebelius steht im Ruf, sie könne moderate Republikaner zu überparteilichen Kompromissen bewegen. In der Gesundheitspolitik trennt allerdings noch ein ideologischer Graben die beiden Parteien: Demokraten meinen, dass Gesundheitsvorsorge und Krankenversicherung in Teilen eine staatliche Aufgabe seien, Republikaner setzen auch da auf die Privatwirtschaft.

Schon 2002 wurde der Konflikt in Kansas prinzipiell ausgetragen. Sebelius war damals staatliche Aufseherin über das Versicherungswesen und untersagte den Verkauf der vom Staat getragenen Krankenversicherung „Blue Cross and Blue Shield“ an einen privaten Investor. Sie befürchtete, dies werde zu steigenden Beiträgen führen. Das Verfassungsgericht von Kansas gab Sebelius in letzter Instanz Recht. Mittlerweile war sie 2003 zur Gouverneurin gewählt worden und gewann auch die nächste Wahl 2006.

Sebelius ist im Mai 1948 in Ohio geboren; in den siebziger Jahren war ihr Vater John Gilligan dort Gouverneur. So ist sie die erste Gouverneurin in den USA, deren Vater ebenfalls Gouverneur war, freilich in einem anderen Staat. Während des Studiums der Verwaltungslehre am Trinity College in Washington lernte sie ihren Mann Gary Sebelius kennen, Sohn eines Kongressabgeordneten aus Kansas.

Das US-Gesundheitsministerium hat 65 000 Angestellte. Es beaufsichtigt die Lebensmittelkontrolle, die medizinische Forschung sowie die Programme Medicare und Medicaid, die Gesundheitsversorgung für Bürger im Rentenalter und für Sozialfälle. 

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