US-Politik : Obama reicht muslimischer Welt die Hand

In seinem ersten Interview nach seiner Amtsübernahme hat sich US-Präsident Barack Obama an die muslimische Welt gewandt und eine "neue Partnerschaft in gegenseitigem Respekt" angeboten. Auch in Richtung Iran wiederholte Obama sein Diplomatie-Angebot.

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Neuer Kurs in den internationalen Beziehungen: Obama gibt sich offen nach allen Seiten. -Foto: dpa

WashingtonNeue Offerte Obamas an die muslimische Welt: Er wolle kommunizieren, "dass die Amerikaner nicht eure Feinde sind", sagte der US-Präsident dem arabischsprachigen Sender Al-Arabija. Das Interview wurde am Montagabend (Ortszeit) kurz nach der Entsendung von Obamas Nahost-Beauftragten George Mitchell in die Nahost-Krisenregion aufgezeichnet und in Auszügen von US-Medien veröffentlicht. Mitchell wird unter anderem mit der israelischen und der palästinensischen Führung zusammentreffen.

Zum Nahost-Konflikt betonte Obama demnach, dass seine Regierung entschlossen auf einen dauerhaften Frieden sowohl zwischen Israel und den Palästinensern als auch zwischen Israel und dessen anderen Nachbarn hinarbeiten wolle. Er zeigte sich optimistisch, dass dieses Ziel erreicht werde, aber es werde Zeit brauchen und ein neues Denken hinsichtlich der Probleme des Nahen Ostens "als ein Ganzes" erfordern. Obama bekräftigte zugleich die amerikanische Unterstützung für Israel, nannte es einen "engen Freund" der USA und erklärte, er halte an der Überzeugung fest, dass Israels Sicherheit von höchster Wichtigkeit sei.

Obama: "Wir sind nicht perfekt gewesen"

Zugleich betonte er aber der "Washington Post" zufolge, "wenn Amerika bereit ist eine neue Partnerschaft (mit der muslimischen Welt) zu initiieren, auf der Basis von gegenseitigem Respekt und gegenseitigem Interesse, dann, glaube ich, können wir bedeutenden Fortschritt erzielen."

Seine Aufgabe sei es zu kommunizieren, dass die USA ein Interesse am Wohlergehen der muslimischen Welt hätten, sagte Obama. "Wir machen manchmal Fehler. Wir sind nicht perfekt gewesen." Aber wenn man auf die Vergangenheit zurückblicke, auf den gegenseitigen Respekt und die Partnerschaft, die Amerika noch vor 30 oder 40 Jahren mit der muslimischen Welt gehabt habe, "gibt es keinen Grund, warum wir das nicht wiederherstellen können".

Diplomatie-Angebot an Iran

Zudem hat Obama das Angebot der direkten Diplomatie an den Iran bekräftigt. "Wie ich bereits in meiner Antrittsrede gesagt habe, wenn Länder wie der Iran bereit sind, auf die geballte Faust zu verzichten, wird sie unsere ausgestreckte Hand erwarten", sagte er im Interview. In den nächsten Monaten werde seine Regierung eine Strategie für den Umgang mit dem Iran ausarbeiten. Es sei wichtig, "alle Instrumente der US-Macht, einschließlich der Diplomatie" zu nutzen.

Zuvor hatte die neue US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, eine direkte Diplomatie in Sachen Atom mit dem Iran angekündigt, zugleich aber betont, die USA würden den Druck erhöhen, sollte Teheran die Urananreicherung fortsetzen. Obama hatte bereits im Wahlkampf erklärt, eine neue US-Regierung unter seiner Führung wolle die seit drei Jahrzehnten bestehende Verweigerung direkter Gespräche mit Teheran überwinden. (sba/dpa/AFP)

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