US-Politik : Zukunft trifft Vergangenheit

Der nächste US-Präsident Barack Obama besuchte am Montag seinen künftigen Amtssitz – auf Einladung von George W. Bush. Thema der Besprechung war die Amtsübergabe.

Christoph von Marschall[Washington]
Bush Obama
Familientreffen am Weißen Haus. Die Bushs mit Michelle und Barack Obama. -Foto: dpa

Alte Ära trifft neue Zeit. Am Montagnachmittag US-Zeit kamen Michelle und Barack Obama ins Weiße Haus. Die derzeitigen Bewohner, Laura und George W. Bush, hatten ihre Nachfolger nach 1600 Pennsylvania Avenue NW eingeladen – damit die ihr künftiges Zuhause kennenlernen, und um praktische Fragen der Übergangsperiode zu besprechen. Die Töchter Malia und Sasha Obama waren in Chicago geblieben, sie sollten nicht extra aus der Schule genommen werden.

Vor laufenden Kameras begrüßten sich die Bushs und Obamas freundschaftlich und gingen gemeinsam durch den Rosengarten. In den jüngsten Tagen hatten beide Politiker eine überparteiliche Kooperation im Dienst der Nation versprochen. Die Wahlkampfmonate zuvor waren geprägt von öffentlichen Kontroversen mit persönlichen Verunglimpfungen. Obama hatte Bush wiederholt als einen der schlechtesten Präsidenten in der Geschichte der USA bezeichnet und seinem republikanischen Rivalen John McCain vorgeworfen, Amerika werde eine weitere Amtszeit wie unter Bush durchleiden, wenn McCain Präsident werde.

Am Wochenende berichteten US-Zeitungen über Pläne Obamas, mehrere Politikansätze Bushs nach dem Amtsantritt am 20. Januar möglichst schnell durch Präsidialanweisungen zu korrigieren, von der Umwelt- und Klimapolitik über die Stammzellforschung bis zur Entwicklungshilfe. Bushs Stabschef Josh Bolten sagte, Bush und Obama würden unter vier Augen im Oval Office sprechen. „Ich bin sicher, dass jeder von ihnen eine Liste mit Themen hat.“ Es ist Obamas erster Besuch im Oval Office, dem Amtszimmer der US-Präsidenten, nicht aber im Weißen Haus. 1984, im Alter von 23 Jahren, hatte er erstmals vor dessen Toren gestanden, damals noch unbehindert von den Sicherheitsmaßnahmen und weiträumigen Absperrungen, die nach dem Terrorangriff vom 11. September 2001 eingeführt wurden. Seine Gedanken, als der Sitz des Präsidenten noch so zugänglich war, er außen herumgehen und den Rosengarten durch den Zaun betrachten konnte, hat er in seinem Buch „The Audacity of Hope“ beschrieben. „Diese Offenheit sagt etwas über unser Vertrauen in unsere Demokratie. Sie veranschaulicht den Gedanken, dass unsere Führer nicht so unterschiedlich von uns Bürgern sind; dass auch sie dem Gesetz und dem Konsens der Gesellschaft unterliegen.“

Rund 20 Jahre später, nach Obamas Wahl in den US-Senat, lud Bush die neuen Kongressmitglieder im Januar 2005 ins Weiße Haus ein, erst ins Goldene Zimmer für eine kurze Ansprache und ein gemeinsames Foto, gefolgt von einem Buffetempfang. Obama reflektiert, als er es erzählt, über die Dimensionen des Hauses im Inneren: „Gar nicht so groß und weit, wie man von den Fernsehbildern meinen könnte.“ Und über die Gefahr der Isolierung vom Alltag der Bürger, die jedem Bewohner drohen.

Bush schildert er als „sympathischen Mann, gewitzt, diszipliniert und geradeheraus“ – die „Eigenschaften, die ihm halfen, zwei Wahlen zu gewinnen“. Er sei „ein Typ, mit dem man sich gerne unterhält, solange sich das Gespräch um Sport und Kinder dreht“. Wenn Bush dagegen über Politik rede, „weicht seine Leutseligkeit einer fast messianischen Gewissheit“.

Im Blauen Zimmer kam es noch zu einer kurzen Begegnung mit dem Hausherrn. „Kommen Sie, ich möchte Sie Laura vorstellen. Was für eine nette Familie Sie haben! Ihre Frau ist eine sehr beeindruckende Lady.“ Und dann, berichtet Obama, habe Bush ihm zwei Ratschläge gegeben. Erstens bietet er ihm mit Blick auf die vielen Hände, die ein Präsident schütteln muss, ein Desinfektionsmittel an. „Gutes Zeug. Bewahrt einen vor Erkältungen und anderen Infektionen.“ Zweitens warnt er ihn vor Neid und Missgunst, auch aus dem eigenen Lager. „Sie haben eine große Zukunft vor sich. Aber wer so viel Aufmerksamkeit erhält, zieht auch die Angriffe der Leute auf sich. Und die werden nicht allein von unserer Seite kommen. Viele warten nur darauf, dass Sie ausrutschen. Passen Sie auf sich auf!“

Bei seiner ersten Pressekonferenz als „President elect“ am Freitag sagte Obama, er gehe mit dem Gefühl in das Treffen mit Bush, dass eine Zusammenarbeit aller Parteien angesichts der schwierigen Situation notwendig sei, und dass dies auch allen bewusst sei. Mitarbeiter Obamas erwarten, dass Bush versuchen werde, dem Nachfolger seine Vorstellung von der Führung der Amtsgeschäfte des Präsidenten zu vermitteln. Bush hatte im Wahlkampf seinen Parteifreund McCain unterstützt. Er würdigte dann aber den Sieg Obamas, der als erster Afroamerikaner ins Weiße Haus einzieht, als Triumph der Geschichte Amerikas.

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