US-Präsident : Bush verabschiedet sich von Vereinten Nationen

Es war sein letzter großer Pflichttermin bei den ungeliebten UN. Neues hat US-Präsident Bush nicht zu sagen

Jan Dirk Herbermann

New York - Es war sein letzter großer Pflichttermin bei den ungeliebten UN: George W. Bush räusperte sich, schluckte und legte los. Aber der US-Präsident, der dem Staatenbund einst voraussagte, „irrelevant“ zu werden, der über zu viel „leere Rhetorik“ bei der Weltorganisation lästerte, hatte am Dienstag in seiner Abschiedsrede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen eigentlich nicht mehr viel Neues zu sagen: Wie immer forderte er mehr Einsatz gegen den Terrorismus.

Eine Modernisierung des UN-Sicherheitsrates erwähnte Bush nicht. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hingegen warb vor der Vollversammlung offen für eine Reform des Gremiums. Neben Deutschland machen sich auch Brasilien, Indien und Japan Hoffnung auf einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat.

Bush wiederum stimmte zum Schluss seiner achten Rede vor den UN-Mitgliedern versöhnliche Töne an: „Die Vereinten Nationen können eine mächtige Kraft im 21. Jahrhundert sein.“ Allerdings müsse sich die Organisation erneuern, die Verantwortlichen müssten entschlossen gegen Bürokratie und Ineffektivität vorgehen. Die Vertreter der anderen UN-Mitglieder ließen die Worte über sich ergehen, klatschten am Ende kurz: ein Goodbye ohne Emotionen.

Eine Person im weiten Rund des Weltparlaments aber musterte Bush ganz genau: Miguel d’Escoto Brockmann, ein katholischer Priester aus Nicaragua, geschmückt mit dem Internationalen Lenin-Friedenspreis – und der Präsident dieser 63. Vollversammlung. Dass sich der Ex-Außenminister auf Konfrontation mit US-Präsidenten versteht, hat er schon demonstriert: Einst wetterte der Gottesmann gegen Ronald Reagan, Bushs Idol und Vorgänger. Er sei der „Schlächter meines Volkes“, so d’Escoto.

Jetzt nannte der 75-Jährige „Vater d’Escoto“ Bush „unseren lieben Bruder“ – und ging dann auf ihn los: „Wegen Reagan und seinem geistigen Erben George W. Bush ist die Welt heute unsicherer als sie jemals zuvor war.“ D’Escoto will die verkrusteten Machtstrukturen der UN aufbrechen; die Reform des Sicherheitsrates soll unter seiner Präsidentschaft endlich in Angriff genommen werden. Doch die USA reklamieren für sich, den Kurs der UN bestimmen zu können. Auch der neue Mann im Weißen Haus wird wohl an dieser Politik festhalten. Vater d’Escoto steht vor dem nächsten Schlagabtausch mit einem US-Präsidenten. Jan Dirk Herbermann

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