US-Präsident im Nahen Osten : Respekt vor Amerika war einmal

Ein neues Verhältnis zum Islam, Frieden zwischen Palästinensern und Israelis: US-Präsident Trump hat sich viel vorgenommen. Doch Amerikas Zeit als Ordnungsmacht ist Vergangenheit. Ein Kommentar.

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Auf Reisen im Nahen Osten: US-Präsident Donald Trump
Auf Reisen im Nahen Osten: US-Präsident Donald TrumpFoto: AFP/Mandel Ngan

Vielleicht hat er ja das Zeug dazu. Vielleicht schafft der US-Präsident das, was vor ihm keinem gelang. Vielleicht geht Donald Trump als „Dealmaker“ in die Geschichte ein. Vielleicht bringt der 70-Jährige dem notorisch krisengeplagten Nahen Osten ein wenig Frieden. Vielleicht stellt er sogar das Verhältnis zwischen dem Westen und der islamischen Welt auf eine neue Grundlage.

Trumps Rede in Riad wirkt zumindest wie ein weitgehendes Angebot: Ich reiche euch die Hand. Kooperiert mit mir im Kampf gegen die radikalen Auswüchse des Islam und damit gegen das Böse – und ich gebe euch für die Schlacht alles, was ihr benötigt.

Doch auch wenn Trump fest an sich und seine Mission glauben mag: Dass sich in Nahost nun vieles zum Besseren wendet, ist höchst unwahrscheinlich. Was weder allein an mangelnden Kenntnissen der Region noch an seiner Unberechenbarkeit liegt. Selbst wenn Trump der genialste Diplomat der Welt wäre und die ultimative Idee hätte, würde er scheitern. Weil die USA gescheitert sind – als anerkannte Ordnungsmacht.

Politik des Rückzugs

Amerikas Zeitalter gehört der Vergangenheit an. Das gilt nicht nur, aber vor allem für den Nahen und Mittleren Osten. Eine Region, in der jahrzehntelang die USA als geschätzter wie gefürchteter Weltpolizist die Richtung vorgaben. Doch die Weltmacht hat dort als Garant für Frieden und Stabilität längst ausgedient. Ihr Ansehen und ihren Einfluss haben die Amerikaner schon vor Trump verloren. Und sein Vorgänger Barack Obama hat entscheidend dazu beigetragen.

Mit seiner Politik des Rückzugs, des „Bloß nicht einmischen“ hat Obama den arabischen Staaten und Israel zu verstehen gegeben, an ihren Belangen nicht sonderlich interessiert zu sein. Dafür mag es auf den ersten Blick triftige Gründe gegeben haben. Das Demokratieprojekt im Irak war an eigenen Unzulänglichkeiten gescheitert. Der Einsatz in Afghanistan drohte zu einer unendlichen Geschichte zu werden und war an der Heimatfront kaum noch als Erfolg zu verkaufen.

Respekt vor Amerika? Das war einmal

Ganz zu schweigen vom Nahostkonflikt. Wieder und wieder haben Washingtons Diplomaten einen Anlauf unternommen, zwischen Israelis und Palästinensern zu vermitteln. Wieder und wieder mussten sie genervt von der Hartleibigkeit beider Seiten aufgeben. Besonders demütigend war es für Außenminister John Kerry. 2014 begab er sich monatelang auf Good-Will-Tour – und bekam dafür die kalte Schulter gezeigt. Von Amerikas einstigem Prestige, vom Respekt vor den USA ist nicht mehr viel geblieben.

In der arabischen Welt wurde ebenfalls aufmerksam registriert, dass Obama für Baschar al Assad rote Linien zog, die der ungestraft übertreten konnte. Wer in einem solchen Fall keine Stärke zeigt, gilt aber in der Region als schwach.

Gefährliches Machtvakuum

So ist mit der Zeit ein gefährliches Vakuum entstanden, das Wladimir Putins Russland mit Macht zu füllen versucht. Der Iran mischt ebenfalls kräftig mit, versucht seinen Einfluss immer weiter auszubauen. Unter Hassan Ruhani als wiedergewähltem Präsidenten wird sich daran nichts ändern. Doch gerade Syrien zeigt, wie destruktiv Moskau und Teheran vorgehen. Von Werten und Verantwortung keine Spur.

Ist ausgerechnet Trump in der Lage, dem etwas entgegenzusetzen? Schafft er es, Amerikas Autorität wiederherzustellen? Kraftmeierei und Geschäfte mit „wunderschöner militärischer Ausrüstung“ reichen nicht aus. Der Aufruf zum gemeinsamen Kampf gegen islamistischen Terror wird ebenfalls rasch verhallen. Denn die Araber wissen genau: Trumps Unberechenbarkeit kann sich jederzeit zu ihrem Nachteil auswirken. So ist keine Ordnung zu schaffen. Dabei braucht es die gerade in Nahost. Dringender denn je.

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