Politik : US-Präsident: Krieg ist in gefährlicher Phase

Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) wird von der Opposition scharf für seine Informationspolitik über Einsätze der Bundeswehr kritisiert. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jörg van Essen, forderte mehr Transparenz. Sein Fraktionskollege Jürgen Koppelin äußerte die Befürchtung, die Bundesregierung sei nicht im Bilde über die Kämpfe in Afghanistan. Der Vizevorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags, Thomas Kossendey (CDU), sagte, Scharping informiere das Gremium ungenügend oder zu spät.

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Van Essen sagte im Südwestrundfunk, der Bundestag habe dem Einsatz im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zugestimmt, jetzt müsse er auch erfahren, was die Soldaten machen und welche Gefahren ihnen drohen. Mit Bezug auf die Aussage von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Deutschland gehe Risiken, aber keine Abenteuer ein, sagte der FDP-Politiker, er sehe die Grenze zum Abenteuer bald überschritten. Das betreffe die künftige taktische Führung bei der Friedenstruppe in Kabul, aber auch den Einsatz in Kuwait, wo keiner so recht an eine Katastrophenschutzübung glaube.

Verteidigungsminister Scharping verteidigte seine Informationspolitik am Dienstag. Es habe von Anfang an einen Konsens zwischen den im Bundestag vertretenen Parteien gegeben, dass zum Schutz der Truppe über laufende Einsätze nicht öffentlich berichtet werden solle, sagte er in Berlin. Die Sicherheit der Soldaten habe "höchste Priorität". Die Situation der Truppe in Afghanistan sei unverändert, sagte Scharping. Die Bundeswehr unterstütze weiter den Transport von Verletzten zwischen Kabul und Bagra. Über die Operationen von Spezialkräften werde er weiter "keine Details" bekannt geben.

Die Anti-Terror-Koalition hat am Dienstag weitere afghanische Soldaten zur Verstärkung ihrer Offensive im Osten des Landes an die Front geschickt. Zurückkehrende afghanische Kämpfer berichteten von anhaltenden Gefechten. Die eingeschlossenen Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer seien umzingelt, ihre Lage sei aussichtslos. An der Großoffensive ist auch Frankreich mit 22 Kampf- und Aufklärungsflugzeugen beteiligt. "Wir übernehmen unseren Teil", sagte der französische Premierminister Lionel Jospin.

Hunderte afghanische Soldaten zogen am Dienstag den Ring um die labyrinthartigen Höhlensysteme im Kampfgebiet bei Schah-e-Kot enger, wo sich Hunderte Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer mitsamt ihren Familien verschanzt halten sollen. "Sie können nicht entkommen", sagte der afghanische Frontkommandeur Abdul Matin Hasan Chiel. Ziel der bislang größten Luft- und Bodenoffensive des Kriegs unter Führung der USA ist es, die Kämpfer aus ihren Höhlenverstecken zu drängen und ihnen mögliche Fluchtwege nach Pakistan abzuschneiden.

Am Montag waren beim Abschuss zweier US-Hubschrauber im Osten Afghanistans sieben amerikanische Soldaten ums Leben gekommen und 40 weitere verletzt worden. US-Präsident George W. Bush bekräftigte dennoch seine Entschlossenheit zur Fortsetzung des Krieges. "So lange ich Präsident der Vereinigten Staaten bin, werde ich diejenigen verfolgen, die Amerika Schaden zufügen und uns unsere Freiheit nehmen wollen", sagte er. "Wir befinden uns in einer gefährlichen Phase dieses Krieges."

Die Vereinigten Staaten haben nach Auffassung eines afghanischen Gouverneurs die Stärke der Al-Qaida-Kämpfer stark unterschätzt. Die in den Arma-Bergen verschanzten Truppen würden durch neue Kämpfer und Waffen unter anderem aus Pakistan verstärkt, sagte der Gouverneur der ostafghanischen Provinz Paktia am Dienstag vor Journalisten. Deshalb werde die Offensive der USA und ihrer Verbündeten länger dauern als erwartet, sagte Tadsch Mohammed Wardak. Auch die US-Militärführung räumte hartnäckigen Widerstand ein. "Es scheint, dass sie sich dafür entschieden haben, bis zum Letzten zu kämpfen", sagte Generalstabschef Richard Myers. Nach US-Angaben wurde das Gebiet um die Stadt Gardes am Dienstag erneut heftig bombardiert.

Mahnmal gegen den Terror

Kabul (dpa). Die von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen im afghanischen Bamiyan-Tal sollen zu einem Mahnmal gegen den Terror werden. Die afghanische Übergangsregierung unter Präsident Hamid Karsai wolle die Statuen so schnell als möglich wieder aufbauen und habe dazu bereits internationale Experten ins Land geholt, sagte der afghanische Minister für Wiederaufbau, Muhammad Amin Farhang, in einem Interview mit der "Mittelbayerischen Zeitung". Farhang sprach sich dafür aus, die Nischen mit den gesprengten Statuen als "Warnung an die ganze Welt vor Terror und Barbarei" zu erhalten.

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