Politik : US-Präsidentschaftswahl: Entscheidung im Mittleren Westen

Die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore und George Bush konzentrieren sich in den letzten Tagen ihres Wahlkampfes auf die möglicherweise wahlentscheidenen Staaten im Mittelwesten. Die beiden Kandidaten traten am Donnerstag in Illinois auf, Bush reiste außerdem nach Wisconsin und Missouri, Gore nach Pennsylvania. Von diesen Staaten könnte am kommenden Dienstag das Abschneiden der Kandidaten abhängen. Gore und Bush liegen den meisten Umfragen zufolge gleich auf, einige räumen Bush einen leichten Vorsprung ein. Fünf Tage vor der Präsidentenwahl am kommenden Dienstag kehrten Gore und Bush zu ihren zentralen Wahlkampfaussagen zurück. Sie warfen sich gegenseitig vor, die Pläne des jeweils anderen gefährdeten das Wirtschaftswachstum. Der Republikaner Bush nannte den Demokraten Gore einen Verschwender, während der erklärte, sein Gegenkandidat sei ein Handlanger der großen Konzerne. In zwei neuen Werbefilmen zweifelt Gore an, dass Bush über die nötigen Voraussetzungen für das wichtigste Amt im Staat verfügt. Er warf ihm seine Haltung zu den Themen Steuern, Umwelt und Gesundheit vor und kritisierte die Mindestlöhne in Texas, wo Bush Gouverneur ist.

Gores Ehefrau Tipper und sein möglicher Vizepräsident Joseph Lieberman hatten bereits zu Beginn der Woche erklärt, Bush sei nicht qualifiziert für das Präsidentenamt. Wahlkampfstrategen hatten Gore zunächst vor einer ähnlichen Aussage gewarnt, die nach ihrer Ansicht kurz vor der Wahl verzweifelt erscheinen könnte. Andere Personen aus Gores Wahlkampfteam erklärten, die meisten Wähler zweifelten an Bushs Führungsqualitäten.

Bush warf Gore mangelnde Glaubwürdigkeit vor. "Dieses Land braucht einen Präsidenten, an den wir glauben können, und einen Präsidenten, der an Sie glaubt", sagte er bei einem Auftritt. Gore wolle planlos Geld ausgeben, was das Wachstum verlangsamen könne. Gore sagte dagegen, mit tröstenden Worten könnten keine Medikamente und keine Rente bezahlt werden. In Minnesota und Wisconsin liegt Bush den Umfragen zufolge vorn. In Illinois und Missouri ist das Ergebnis bisher ausgeglichen.

Auch der Ausgang des Rennens um einen Sitz im Senat für den Staat New York zwischen Hillary Clinton und Rick Lazio war noch ungewiss. Clinton und Lazio setzten ebenfalls auf neue Wahlkampfspots. Bis zum 18. Oktober gaben beide insgesamt die Summe von 58,7 Millionen Dollar für den Wahlkampf aus. Nachdem sie in Umfragen gleichauf liegen, setzten beide Lager auf die Wahlbeteiligung als entscheidenden Faktor.

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