US-Präsidentschaftswahl : Obama und Orlando verdrängen Sanders ins Abseits

Hillary Clinton hat die letzte Vorwahl der Demokraten gewonnen und sich mit dem Unterlegenen Bernie Sanders getroffen. Der verliert nun rasch an Einfluss. Ein Kommentar.

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Wird er zum "Spoiler" für seine Demokraten? US-Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders
Wird er zum "Spoiler" für seine Demokraten? US-Präsidentschaftsbewerber Bernie SandersFoto: AFP/Getty Images/Mark Wilson

Wer zu spät aufgibt, den bestraft das Leben. Haben sich Amerikas Medien in den letzten Tagen dafür interessiert, was Bernie Sanders zum Attentat von Orlando zu sagen hat? Immerhin ist er offiziell noch im Rennen und hat am Dienstag erneut bekräftigt, er wolle den Kampf um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten bis in den Parteitag tragen. 

Die Schlagzeilen konzentrieren sich auf Donald Trumps und Hillary Clintons Reaktionen  - und auf Präsident Barack Obama, der Trump am Dienstag eine "gefährliche Gedankenwelt" bescheinigte, die ihn an die dunkelsten und schamvollsten Perioden der amerikanischen Geschichte erinnere. 

In der Nacht zu Mittwoch hielt Washington D.C. die letzte Vorwahl dieses Jahres ab. Hillary Clinton gewann sie deutlich: laut "Washington Post" mit einem Vorsprung im Verhältnis von 3,5 zu 1. 

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Bernie Sanders Bruder Larry mischt im US-Wahlkampf mit
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Clinton und Sanders trafen sich anschließend für 90 Minuten, gaben danach aber nicht preis, was der Inhalt des Gesprächs war und ob sie Absprachen getroffen haben. Am Donnertag will sich Sanders öffentlich an seine Anhänger wenden.

Es wäre eine "letzte beste Gelegenheit", wie man in den USA gerne sagt, den Kampf mit Hillary für beendet zu erklären und sich von ihr die eine oder andere Zusicherung geben zu lassen, welche seiner Wahlkampfbotschaften sie in ihr Wahlprogramm als Präsidentschaftskandidatin übernimmt. Vielleicht macht sie auch personelle Zusagen, welche Vertreter der linken Parteiflügels sie in ihr Regierungsmannschaft aufnimmt.

Im Verein gegen Trump

Falls Sanders sich hingegen entscheidet, das Eingeständnis seiner Niederlage noch viel länger hinauszuzögern, schadet er sich. Viele Demokraten werden in ihm dann einen "Spoiler" sehen: eine Person, die der Partei aus persönlichen Motiven Schaden zufügt. In den letzten acht Tagen war zu beobachten, wie dramatisch sich die Dynamik in einem Präsidentschaftsrennen ändern kann. Vor der Vorwahl in Kalifornien stand Sanders noch im Mittelpunkt des Interesses. Nun gerät er ins Abseits.

Clinton im Verein mit Obama gegen Trump - das ist die neue Konstellation. Am Montag und Dienstag war zu sehen, dass die Ankündigung des Präsidenten, er sei "heiß" darauf, noch einmal Wahlkampf zu führen, kein leeres Wort ist. Erst redete Clinton über die Lehren aus Orlando, tags drauf Obama. Er genießt ein gutes Ansehen. Er kann mehr Begeisterung entfachen als sie. Und: Es geht um die Sicherung seines politischen Erbes.

Mit einer Demokratin im Weißen Haus wird Obamas Kurs fortgesetzt. Der unberechenbare Herr Trump wäre hingegen ein Risiko für das Land. Ein Risiko, das sich Amerika in Zeiten der Bedrohung schon gar nicht leisten kann. Diese Botschaft wird in den nächsten Monaten noch oft zu hören sein.

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