US-Präsidentschaftswahl : Trump profitiert von der Lust der US-Bürger am Risiko

Donald Trump hat mal wieder mögliche Gewalt gegen Hillary Clinton angedeutet. Doch ihm wird viel verziehen - in Umfragen verkürzt er den Abstand zu seiner Rivalin.

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Holt in Umfragen auf: US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump
Holt in Umfragen auf: US-Präsidentschaftskandidat Donald TrumpFoto: AFP/Getty Images/Joe Raedle

Donald Trump kann sich derzeit so ziemlich alles erlauben. Am Freitag deutete der Milliardär erneut mögliche Gewalttaten gegen seine Rivalin Hillary Clinton an. Zugleich ließ er die absurde Diskussion über die angebliche fehlende Legitimation von Präsident Barack Obama erst wieder aufleben, bevor er die Notbremse zog. Er weigert sich weiterhin, seine Steuererklärung offenzulegen. Dennoch legt Trump in den Umfragen zu: Er profitiert von der Lust der Amerikaner am Risiko.

Bei einer Wahlkampfrede verlangte Trump am Freitag die Entwaffnung von Clintons Leibwächtern. Schließlich wolle die Kandidatin der Demokraten keine Waffen, sagte er in Anspielung auf Clintons Forderung nach schärferen Kontrollen beim Schusswaffenkauf. Clintons Leibwächter sollten ihre Waffen aufgeben, sagte Trump. „Mal sehen, was dann mit ihr geschieht“, fügte er hinzu. „Es wird sehr gefährlich.“

Es war nicht das erste Mal, dass Trump mögliche Attacken auf Clinton ins Gespräch brachte. Im August hatte er gesagt, vielleicht könnten die entschiedenen Befürworter des Rechtes auf Waffenbesitz etwas gegen Clinton tun.

Aufwärmen alter Debatten

Auch die Diskussion um Obama fachte Trump neu an. Vor zwei Tagen hatte er sich in einem Interview mit der „Washington Post“ geweigert, klipp und klar zu erklären, dass er Obama als legitimen Präsidenten anerkennt. Vor einigen Jahren hatte sich Trump an die Spitze einer rechten Bewegung gesetzt, die beweisen wollte, dass der erste schwarze US-Präsident nicht auf amerikanischem Territorium geboren wurde und deshalb eigentlich nicht im Amt sein dürfte. Obama kam 1961 auf Hawaii zur Welt.

Die Debatte ist eigentlich längst erledigt, doch Trump sagte der „Post“, er wolle die Frage nach Obamas Geburtsort derzeit nicht beantworten. Am Freitag sagte er dann aber: „Präsident Barack Obama wurde in den Vereinigten Staaten geboren. Punkt.“

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Trump: Obama wurde in den USA geboren
Trump: Obama wurde in den USA geboren

Für andere Kandidaten wäre ein solches Hin und Her eine Katastrophe. Nicht so für Trump. Ähnliches gilt für sein Nein zur Offenlegung seiner Steuererklärung. Offiziell begründet er die Weigerung mit einer noch nicht abgeschlossenen Steuerprüfung. Kritiker vermuten jedoch, der Multimilliardär, der sich als Vertreter der kleinen Leute präsentiert, wolle den Amerikanern verheimlichen, dass er trotz seines Reichtums kaum Steuern zahlt. Eine Äußerung von Trumps Sohn Donald Jr lässt vermuten, dass diese Version der Wahrheit nahe kommen könnte: Eine Offenlegung der Steuererklärung seines Vaters würde nur von dessen politischen Botschaften ablenken, sagte er.

Trump holt auf

Dennoch liegt Trump im Schnitt der wichtigsten Meinungsumfragen laut dem Nachrichtenportal RealClearPolitics nur noch 1,5 Prozentpunkte hinter Hillary Clinton, die vor einem Monat noch mit bis zu zehn Punkten in Führung war. Clintons lange Auszeit im Wahlkampf – sie verbrachte den August vorwiegend bei nicht-öffentlichen Spendensammlungen – sowie der Mail-Skandal um die Ex-Außenministerin und ihre plötzliche Erkrankung am vergangenen Wochenende haben ihr zugesetzt. Bei Jungwählern ist Clinton besonders unbeliebt.

Clintons Schwäche ist aber nicht der einzige Grund, warum Trump den Genossen Trend an seiner Seite hat. Laut einer Umfrage der „New York Times“ und des Fernsehsenders CBS traut fast jeder zweite Wähler dem Unternehmer und Polit-Neuling Trump zu, in Washington für Veränderungen zu sorgen; bei Clinton sind es nur 36 Prozent. Damit ist der Unternehmer ein Hoffnungsträger für frustrierte Wähler, auch wenn er bei zwei von drei Amerikanern als Risiko gilt. Nur 31 Prozent glauben zudem, dass der Milliardär die charakterlichen und persönlichen Eigenschaften hat, um ein guter Präsident zu sein.

Laut „New York Times“ bauen Trumps Berater darauf, dass die Amerikaner den Kandidaten zwar als Risiko sehen, aber als eines, das sich einzugehen lohnt. Trump will demnach an seinem Image arbeiten und insbesondere die anstehenden Fernsehdebatten mit Clinton dazu nutzen, Zweifel an seiner charakterlichen Eignung zu zerstreuen.

Während Trumps Kurs steigt, wächst bei Clinton die Verärgerung. Die frühere First Lady, Senatorin und Außenministerin hat ihre Steuererklärung veröffentlicht, sie hat mehr Details über ihren Gesundheitszustand preisgegeben als Trump, sie wird von 47 Prozent der Amerikaner als sichere Wahl eingeschätzt - und ist trotzdem in der Defensive. „Es ist mehr als überfällig, dass er an denselben Maßstäben gemessen wird“ wie sie selbst, sagte Clinton vor wenigen Tagen mit Blick auf Trump.

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