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US-Präsidentschaftswahl : Trump provoziert mit Attacke auf Muslime

Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat sich mit den Eltern eines gefallenen muslimischen Soldaten angelegt. Donald Trump bedient damit seine Stammkundschaft.

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Erneute Provokation: US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump
Erneute Provokation: US-Präsidentschaftskandidat Donald TrumpFoto: dpa/EPA/David Maxwell

Es war ein denkwürdiger Moment beim Parteitag der US-Demokraten vergangene Woche: Khizr Khan, ein aus Pakistan stammender US-Amerikaner, trat mit seiner Frau Ghazala ans Mikrofon, um vor der voll besetzten Arena in Philadelphia und vor Millionen Fernsehzuschauern über seinen als Kriegsheld ausgezeichneten Sohn Humayun zu sprechen, der im Jahr 2004 als US-Soldat im Irak getötet wurde. Khan konterte die Angriffe des Rechtspopulisten Donald Trump auf Muslime und sagte, der schwerreiche Bauunternehmer habe noch nie in seinem Leben ein Opfer gebracht. Sein Auftritt wurde im Internet und in den Medien ein Hit. Doch jetzt schlug Trump mit einer selbst für ihn besonders rücksichtslosen Bemerkung über die Eltern des toten Soldaten zurück.

Die laut Umfrageinstitut Gallup rund 3,3 Millionen Muslime in den USA machen nur rund ein Prozent der Bevölkerung aus. Doch bei Trump werden Muslime zu potenziellen Terroristen und Staatsfeinden, die streng beobachtet und wenn möglich aus dem Land gehalten werden müssen. Das kommt an bei der Stammkundschaft des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, der auf Polarisierung als Mittel der Wählermobilisierung setzt: konservativen Weißen, die den Islam mit Terror gleichsetzen und für die nur Christen amerikanische Patrioten sein können.

Auch Parteifreunde finden die Attacke Trumps abstoßend

Khans Auftritt stellte Trump vor ein Dilemma, denn die Kriegsveteranen und deren Familien gehören zu den Zielgruppen des 70-Jährigen. In seiner Replik auf Khan entschloss sich Trump aber einmal mehr für persönliche Angriffe und Islamfeindlichkeit: Khans Frau Ghazala, die auf der Bühne in Philadelphia stumm geblieben war, habe wohl nichts sagen dürfen, ätzte Trump im Fernsehsender ABC. Den Text für Khans Rede habe wohl Clintons Wahlkampfteam geschrieben. Dass er noch nie ein Opfer gebracht habe, sei einfach nicht wahr, sagte der Multimilliardär, der als junger Mann um den Wehrdienst in Vietnam herumkam: „Ich arbeite sehr hart.“

Dass Khans Frau während der Rede am Donnerstag schweigend neben ihrem Mann auf der Bühne gestanden hatte, kommentierte Trump mit den Worten: „Sie hatte nichts zu sagen(...), vielleicht war es ihr nicht erlaubt, etwas zu sagen.“

Die Betroffene, Ghazala, Khan, widersprach. Auf der Bühne, mit einem riesigen Foto ihres Sohnes im Rücken, habe sie kaum sprechen können. „Welche Mutter könnte das? Donald Trump hat Kinder, die er liebt. Muss er wirklich fragen, warum ich nicht geredet habe?“, fragte sie in einem Gastbeitrag in der „Washington Post“.

Trump sei ignorant, wenn er den Islam pauschal abwerte, schrieb sie weiter. „Wenn er den wirklichen Islam und den Koran studieren würde, würden sich seine Ideen über Terroristen wandeln, denn Terrorismus ist eine andere Religion.“

In einer schriftlichen Erklärung versuchte Trump, seine Äußerungen etwas abzumildern und bezeichnete Khans 2004 im Irak getöteten Sohn als einen Helden. Aber der Vater reagierte abwehrend: Trump habe eine „schwarze Seele“, sagte er dem Sender CNN.

Das Ehepaar Khan mit einem Foto ihres getöteten Sohnes beim Parteitag der US-Demokraten
Das Ehepaar Khan mit einem Foto ihres getöteten Sohnes beim Parteitag der US-DemokratenFoto: AFP/Timothy A. Clary

Trumps abfällige Bemerkungen über den Schmerz einer Familie, die einen Sohn in einem Krieg ihres Landes verloren hat, stößt auch Beobachter aus dem republikanischen Lager und Vertreter der Veteranen ab. Selbst für Trump seien die Worte „unter aller Kanone“, sagte der republikanische Politikberater John Weaver der „Washington Post“. Paul Rieckoff, Präsident eines Verbandes von Exsoldaten der Feldzüge im Irak und in Afghanistan, warf Trump Beleidigung vor. Clinton-Anhänger warfen erneut die Frage nach der charakterlichen Eignung Trumps für das Präsidentenamt auf.

Doch Trump ist bisher mit seiner Linie beim Thema Islam und Muslime erfolgreich: Im Vorwahlkampf forderte er ein Einreiseverbot für Muslime. Nach dem Massaker von Orlando im Juni, bei dem ein US-Muslim in einer Homosexuellenbar 49 Menschen erschoss, beschrieb er Muslime in den USA als eine Art terroristische Vorhut. Das Blutbad von Orlando führte er darauf zurück, dass die Eltern des Täters aus Afghanistan ins Land kommen durften. Bei Trumps islamfeindlichen Äußerungen schwingt immer auch die Erinnerung an die Terroranschläge von Al Qaida vom 11. September 2001 mit.

Der Rat für Amerikanisch-Islamische Beziehungen (CAIR) sprach nach Trumps Orlando-Bemerkungen von einer Dämonisierung und Stigmatisierung einer religiösen Minderheit. Doch muslimische Wähler interessieren Trump nicht. Unter den fast 226 Millionen Wahlberechtigten sind nur ein paar hunderttausend Muslime; CAIR hat sich das Ziel gesetzt, in diesem Jahr erstmals eine Million muslimische Wähler an die Urnen zu bringen. In keinem der für den Wahlausgang im November besonders wichtigen Bundesstaaten spielen Muslime eine entscheidende Rolle in der Wählerschaft.

Trumps Gegner hoffen deshalb, dass seine jüngsten Ausfälle gegen die Familie Khan abstoßend auf gemäßigt-konservative Wähler wirken werden.

Der Kandidat selbst zeigt allerdings keine Zeichen von Reue. Auf die Frage, welche Botschaft er an Khizr Khan als Vater eines gefallenen Soldaten schicken wolle, erwidert Trump auf ABC: „Ich würde sagen, wir haben eine Menge Probleme mit dem radikalen islamistischen Terrorismus.“ (mit dpa)

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