US-Raketenabwehr : Russland: US-Schild gefährdet Raumfahrt

Russische Militärs fürchten, der Einsatz der geplanten Raketenabwehr könnte auch Satelliten schädigen. Der Abschuss einer Rakete berge zum Teil unberechenbare Folgen für die Bevölkerung.

Sarah Kramer

Berlin - Der von den USA geplante Raketenschild in Polen kann nach Auffassung russischer Militärs auch zur Abwehr von Satelliten genutzt werden. Das Abwehrsystem könne Satelliten mit einer Erdumlaufbahn von 200 bis 1800 Kilometern erreichen. Das erfuhr der Tagesspiegel bei einem Seminar russischer und deutscher Generäle der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Die Einsatzmöglichkeiten zur Satellitenabwehr ergäben sich durch diese große Reichweite, sagte der russische General Alexander Berzan. Der Abschuss einer Mittel- oder Langstreckenrakete durch ein entsprechendes Abwehrsystem berge zum Teil unberechenbare Folgen für die Bevölkerung. So könnten die Splitter einer Rakete sowohl in die erdnahe Atmosphäre als auch ins Weltall eindringen und die internationale Raumfahrt gefährden, da sie sehr lange im Umlauf blieben, sagte der General. Somit sei der Raketenschild nicht nur eine „ökologische Mine“. Zudem könne die von den Amerikanern für Tschechien geplante Radaranlage mit ihrem Aktionsradius von 360 Grad auch gen Osten gerichtet und somit zur Beobachtung von Russland genutzt werden.

Insgesamt bedeute ein entsprechendes System für die gesamte Sicherheitspolitik in der Welt Destabilisierung, sagte Berzan. Russland schlage den USA daher eine strategische Partnerschaft für ein gemeinsames Sicherheitssystem vor. „Wir sind zu Gesprächen bereit.“ Nach Informationen des Tagesspiegel soll das Thema Mitte November bei einem Treffen von Vertretern der Außen- und Verteidigungsministerien verschiedener Länder auf der Agenda stehen.

Die amerikanischen Pläne für ein in Osteuropa stationiertes Raketenabwehrsystem belasten die Beziehungen zwischen Russland und den USA nach wie vor schwer. Zuletzt hatte Russlands Präsident Wladimir Putin wegen des Projekts den sogenannten INF-Vertrag, ein bilaterales Abrüstungsabkommen zwischen beiden Ländern, in Frage gestellt. Das von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow 1987 geschlossene Abkommen verbietet die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen.

Ungeachtet der Verstimmungen auf beiden Seiten testete Russland am Donnerstag eine Interkontinentalrakete. Wie die russischen Raketenstreitkräfte bekannt gaben, traf die vom nordwestlichen Stützpunkt Plessetsk abfeuerte Topol RS-12M ihr Ziel auf der Halbinsel Kamtschatka im Pazifik. Ziel des Tests sei die Überprüfung der Flugstabilität gewesen. Die mobilen Topol-Raketen sind Teil des ballistischen Raketenprogramms Russlands bis zum Jahr 2015 und sollen modernisiert werden, wie die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete. Sie können einen Atomsprengkopf 10 000 Kilometer weit tragen. Die erste Topol-Rakete wurde 1981 abgefeuert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben