US-Raketenschild : Gates beißt in Moskau auf Granit

Moskau will dem geplanten US-Raketenschild in Osteuropa offenbar unter keinen Umständen zustimmen - trotz lockender Angebote des US-Verteidigungsministers, der Russland eine umfassende Zusammenarbeit angeboten hat.

Moskau/Prag - Russland lehnt die von den Vereinigten Staaten geplante Raketenabwehr in Mitteleuropa und im Kaukasus weiterhin strikt ab. Die Pläne für den Abwehrschild seien "ein ernsthaft destabilisierender Faktor", sagte der russische Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow nach Gesprächen mit seinem US-Kollegen Robert Gates in Moskau. Das geplante Verteidigungssystem der Vereinigten Staaten könne "einen beträchtlichen Einfluss" auf die Sicherheit in der Region und weltweit ausüben. Der für die US-Raketenabwehr zuständige General Henry Obering warb unterdessen in Tschechien für das Projekt, wo die USA eine Radarstation errichten wollen.

Gates, der noch Russlands Präsidenten Wladimir Putin und den stellvertretenden Regierungschef Sergej Iwanow treffen wollte, betonte bei einer Pressekonferenz die Angebote der USA an Russland für eine Kooperation in der Raketenabwehr. "In meinen Gesprächen mit den russischen Führern werde ich daran erinnern, dass die USA Bereiche für die Zusammenarbeit mit Russland erkunden wollen", sagte er. Ein mitreisender ranghoher US-Beamter erklärte auf dem Weg nach Moskau, die USA hätten der russischen Regierung jüngst mehrere Vorschläge gemacht, wie die beiden Staaten im Bereich der Raketenabwehr zusammenarbeiten könnten. Dabei gehe es insbesondere um den Austausch von Daten der Frühwarnsysteme sowie um gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte und Technologietransfer, sagte der Beamte.

Tschechen lehnen laut Umfragen Radaranlage ab

Obering traf in Prag mit Präsident Vaclav Klaus und dem Führer der sozialdemokratischen Partei CSSD, Jiri Paroubek, zusammen. Die CSSD fordert eine Volksabstimmung über den geplanten Raketenschild. 61 Prozent der Tschechen lehnen einer Umfrage zufolge die Einrichtung der Radaranlage in Tschechien ab. "Wir haben eine Analyse der Flugstrecken von Raketen aus Iran nach Europa und die USA gemacht", sagte Obering. Daraus ergebe sich, "dass Polen und Tschechien ideal liegen, um die Abfangraketen sowie die Radarüberwachung zu beherbergen".

Die russische Wirtschaftszeitung "Wedomosti" berichtete, mit seiner ablehnenden Haltung wolle Moskau Verhandlungen über eine nukleare Abrüstung erreichen. Dabei gehe es unter anderem um die Erneuerung des Start-1-Vertrages von 1994.

Russland warnt vor neuem Rüstungswettlauf

Die US-Pläne sehen die Stationierung von zehn Abfangraketen in Polen vor. In Tschechien soll ein Radarsystem installiert werden, um Raketenangriffe zu orten. Zudem soll eine mobile Radareinheit in einem Kaukasus-Staat installiert werden.

Russland kritisierte, mit den Systemen in Tschechien und im Kaukasus könnten die USA Raketenstellungen in Zentralrussland und bei der Nordmeerflotte überwachen. Zudem bedeute dies einen neuen Rüstungswettlauf. Die US-Regierung wies diese Vorwürfe zurück und betonte, die neuen Anlagen könnten nicht nur die USA, sondern auch weite Teile Europas vor Angriffen schützen. (tso/AFP)

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