US-Raketenschild : Nato skeptisch über Radarstation für Aserbaidschan

Die Nato hat skeptisch auf den Vorstoß des russischen Präsidenten Wladimir Putin reagiert, durch die Nutzung einer Radarstation in Aserbaidschan einen gemeinsamen Raketenschild mit den USA aufzubauen.

Brüssel/BakuEs sei "ein bisschen früh" zu urteilen, ob die Station in Gabala tatsächlich für ein gemeinsames Raketenabwehrsystem genutzt werden könne, sagte der Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer. Er sei "kein technischer Experte", doch scheine ihm der Standort in der Kaukasusrepublik "ein bisschen zu nah an den 'Schurkenstaaten", gegen die sich der Schild wenden solle. Die USA hatten erklärt, das geplante System solle unter anderem gegen Raketenangriffe aus dem Iran und Nordkorea schützen.
  
Aserbaidschan erklärte sich unterdessen bereit, mit Russland und den USA über die gemeinsame Nutzung seiner Radarstation in Gabala zu verhandeln. Eine Nutzung der Anlage im Rahmen des Raketenschildes bringe "mehr Stabilität in die Region und mache die
Situation besser vorausschaubar", sagte der Außenminister Elmar Mamediarow. Die drei Staaten seien sich einig, dass nun bilaterale und trilaterale Verhandlungen notwendig seien. Eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet schade auch nicht den Beziehungen Aserbaidschans zum Iran, der von Washington als potenzielle Gefahr eingestuft wird.
  
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte den Vereinigten Staaten am Donnerstag überraschend vorgeschlagen, den Militärstützpunkt Gabala gemeinsam zu nutzen. Damit sei der Aufbau einer in Tschechien geplanten Radarstation nicht mehr notwendig. Entsprechende Pläne Washingtons hatten zu einer schweren Krise mit Moskau geführt. Putin hatte bereits am Donnerstag gesagt, der aserbaidschanische Präsident habe dem Vorhaben in einem Gespräch zugestimmt.
  
Die Radaranlage Gabala liegt im Norden von Aserbaidschan, einer früheren Sowjetrepublik. Sie wurde 1984 als Teil des sowjetischen Frühwarnsystems in Betrieb genommen. Russland zahlt jährlich sieben Millionen Dollar dafür, dass es die Anlage in Gabala betreiben darf; der Vertrag läuft über zehn Jahre seit 2002. Der damalige russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow hatte im Januar vergangenen Jahres gesagt, das Radarsystem reiche 6000 Kilometer weit, bis in den Nahen und Fernen Osten sowie in Teile von Afrika. (mit AFP)

 

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