US-Raketenschild : Russischer Vizeregierungschef warnt vor neuer "Berliner Mauer"

Russlands Präsident Putin hat den USA gerade erst eine Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr angeboten. Vizeregierungschef Iwanow kritisierte die US-Pläne nun aber noch einmal scharf.

MoskauIm Streit um amerikanische Pläne für eine Raketenabwehr in Mitteleuropa hat Moskau vor dem Entstehen einer neuen "Berliner Mauer" zwischen Russland und dem Westen gewarnt. Durch die Stationierung von US-Raketentechnik in Tschechien und Polen werde versucht, Russland in eine Konfrontation mit Europa zu treiben, sagte Vizeregierungschef Sergej Iwanow im russischen Fernsehen. "Damit wird eine neue Trennlinie gezogen, wenn man will, eine neue "Berliner Mauer"", sagte der frühere Verteidigungsminister.

Russland ist nach den Worten Iwanows beim Thema Raketenabwehr zu einer engen Zusammenarbeit mit den USA bereit. Sollten die USA die entsprechenden Vorschläge von Präsident Wladimir Putin annehmen, könnte bis 2020 ein gemeinsames globales Raketenabwehrsystem geschaffen werden, sagte der Vizeregierungschef. "Dies führt unausweichlich zum Austausch von äußerst empfindlicher Militärtechnologie. Russland ist dazu bereit." Die mögliche Kooperation werde das Vertrauen zwischen beiden Ländern stärken.

Das Gefühl der Bedrohung

Zwar betonten die USA bislang, dass die Raketenabwehrpläne keine Gefahr für Russland seien. "Ich träume aber davon, von unseren amerikanischen Partnern zu hören, warum sie uns nicht bedrohen", sagte Iwanow. Putin hatte bei einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush zu Monatsbeginn in den USA eine weit reichende Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr angeboten. Der russische Präsident hatte auch vorgeschlagen, die Nato und die Europäische Union mit einzubeziehen.

Die USA wollen zehn Abwehrraketen in Polen und eine Radaranlage in Tschechien stationieren, um Raketen aus Staaten wie dem Iran und Nordkorea abfangen zu können. Moskau sieht den Abwehrschild jedoch als gegen sich gerichtet und hat vor einem Wettrüsten gewarnt.

Iwanow: Russland ist zu Gegenmaßnahmen gezwungen

"Dies ist eine Bedrohung der russischen Sicherheit. Aber die werden wir abwehren, da mache ich mir keine Sorgen", sagte Iwanow weiter. Russland sei zu Gegenmaßnahmen praktisch gezwungen. Der Vizeregierungschef erneuert auch die Drohung Moskaus, das Kurzstrecken-Raketensystem "Iskander-M" im europäischen Teil Russlands und in der Ostseeenklave Kaliningrad aufzustellen. "Iskander-M" dient der Bekämpfung von Luftabwehr- und Raketenabwehranlagen. (mit dpa)

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben