Politik : US-Regierung: Vier für Deutschland

Malte Lehming

Vier Mitglieder der neuen US-Regierung wird Bundesaußenminister Joschka Fischer an diesem Dienstag und Mittwoch in Washington treffen. Und alle vier haben eines gemeinsam: Sie sind Deutschland-Experten. Sowohl Vizepräsident Richard (Dick) Cheney und Außenminister Colin Powell, als auch Sicherheitsberaterin Condoleezza (Condi) Rice und der Handelsbeauftragte Robert (Bob) Zoellick waren entweder in Regierungsverantwortung, als sich vor zehn Jahren die deutsche Einheit vollzog, oder unmittelbar in den Wiedervereinigungsprozess eingebunden.

Die beiden interessantesten Figuren sind zweifellos Bob Zoellick und Condi Rice. Zoellick hat als amerikanischer Chef-Unterhändler eine maßgebliche Rolle bei den Zwei-Plus-Vier-Gesprächen gespielt. Er war die rechte Hand des damaligen US-Außenministers James Baker. Während des gesamten Einigungsprozesses hielt Zoellick direkten Kontakt zu Frank Elbe, dem Leiter des Ministerbüros im Auswärtigen Amt und engsten Mitarbeiter von Hans-Dietrich Genscher.

Während der Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen erwarb sich Zoellick dann den Ruf des am besten vorbereiteten und geduldigsten Unterhändlers. Er stand wie kaum ein anderer für den Willen der USA, die Deutschen ihr Schicksal selbst bestimmen zu lassen. Für seine historischen Verdienste erhielt er später das Bundesverdienstkreuz.

Condi Rice arbeitete von 1989 bis März 1991 unter US-Präsident George Bush Sr. als leitende Direktorin für osteuropäische und sowjetische Angelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat und war Assistentin des Präsidenten für Nationale Sicherheit. Sie prägte die Osteuropa-Politik der Bush-Administration und besonders die Beziehungen zur Sowjetunion. An der Vorbereitung der Gipfeltreffen zwischen Bush und dem sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow sowie beim Zustandekommen der Zwei-Plus-Vier-Gespräche war Rice an führender Stelle beteiligt. Auch ihr verdankt Deutschland viel. Als andere sich besorgt zeigten über die sowjetische Reaktion auf den Mauerfall und bereit waren, sich den sowjetischen Vorbehalten zum Abzug der Truppen aus Ostdeutschland anzuschließen, stand Rice dafür ein, den Sowjets keine Zugeständnisse zu machen. Dieser Kurs setzte sich durch und hatte Erfolg.

Dick Cheney wiederum war vor zehn Jahren amerikanischer Verteidigunsgminister, Colin Powell Generalstabschef. Insbesondere in die militärischen Aspekte der Einigungs-Verhandlungen - die Nato-Mitgliedschaft Deutschlands sowie die künftig erlaubte Truppenstärke der Bundeswehr - waren beide stark mit eingebunden. Cheney steht in dem Ruf, ausgesprochen integer, loyal und unprätentiös zu sein. Er hat von allen Regierungsmitgliedern den größten Einfluss auf den neuen US-Präsidenten und gilt als der stärkste Vizepräsident, den es seit langer Zeit in Amerika gibt.

Colin Powell war 1986 als Kommandeur des V. US-Armeekorps in Deutschland stationiert. Drei Jahre später wurde er von Bush Senior zum ranghöchsten Offizier aller Teilstreitkräfte ernannt. In seine Amtszeit fiel die Beseitigung der landgestützten, atomar bestückten Mittelstreckenraketen in Europa. Bis heute ist der Golfkriegs-Held einer der populärsten Politiker in den USA.

Während der Anhörungen im US-Kongress zur Bestätigung der neuen Minister betonte Powell allerdings den festen Entschluss der Bush-Regierung, ein Raketenabwehrsystem (NMD) falls notwendig auch gegen den Widerstand der Alliierten durchzusetzen. Die Europäer hätten lediglich "Angst vor etwas Neuem", sagte er und verglich die jetzige europäische Haltung mit der Stimmung Anfang der achtziger Jahre, als es um die Stationierung der Pershing-2-Raketen ging. "Wenn etwas richtig ist, muss man es einfach tun", so Powell.

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