Politik : US-Reporterin in Beugehaft genommen

Matthias B. Krause

New York - Ein Richter in Washington hat am Mittwoch Beugehaft für die „New York Times“-Reporterin Judith Miller angeordnet, weil sie sich weiterhin weigert, der Staatsanwaltschaft eine geheime Quelle preiszugeben. Sie wurde unmittelbar nach der Entscheidung aus dem Gerichtssaal abgeführt. Ihr Kollege Matthew Cooper vom „Time Magazine“ hingegen entschied sich in letzter Minute, mit den Behörden zu kooperieren. Es bestehe eine realistische Chance, dass Miller durch die Haft weich werde und aussage, sagte Richter Thomas Hogan und verhängte die Strafe, die bis zu vier Monate dauern kann. Den Antrag auf erleichterte Haftbedingungen lehnte er ab.

Bei dem Fall, in dem Cooper und Miller recherchiert hatten, ging es um die Enthüllung der Identität einer CIA-Agentin. Valerie Palme war zuvor schon von einem anderen Journalisten als Spionin identifiziert worden, der jedoch ungeschoren davon kam. Cooper hatte über den Fall geschrieben, Miller veröffentlichte dazu nie eine Zeile. Trotzdem muss sie nun ins Gefängnis, weil sie sich als einzige bis zuletzt weigerte zu reden. „Sie ist eine aufrechte Frau“, sagte „New York Times“-Chefredakteur Bill Keller, „sie hat ihrer Quelle Geheimhaltung zugesagt und hält sich daran. Dies ist ein schwarzer Tag für den Journalismus."

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