US-Republikaner : Glaubenskampf ums Weiße Haus

Er kandidiert für die US-Präsidentschaft, doch für Mitt Romney wird sein Mormonentum zum Wahlkampfhindernis. Jetzt geht der Republikaner mit einem Glaubensbekenntnis in die Offensive.

Peter Wütherich[AFP]
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Mitt Romney will der erste mormonische Präsident der USA werden. -Foto: AFP

WashingtonPolitische Überzeugungen lassen sich aktuellen Stimmungen anpassen, in dieser Art von Wendigkeit sind die Kandidaten für die US-Präsidentschaft geübt. Wenn es um Religion geht, sieht die Sache anders aus: Sie ist für Gläubige Teil der eigenen Identität. Lange hat sich der US-Republikaner und Kandidat Mitt Romney gescheut, öffentlich seinen mormonischen Glauben zu erklären. Doch das Unbehagen vieler Wähler mit dieser Religion wurde zum ernsten Hindernis auf dem Weg ins Weiße Haus. Mit einer Grundsatzrede über Gott und die Welt versuchte Romney am Donnerstag seine Kandidatur zu retten. Es war ein Balanceakt: Persönlich stehe er zu seinem Glauben, sagte Romney, politisch lasse er sich dadurch aber nicht beeinflussen.

Romney will der erste mormonische Präsident der USA werden. Umfragen zufolge hat er durchaus Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner - wenn da nur nicht sein für viele Amerikaner befremdlicher Glaube wäre. In einer Umfrage des Pew-Instituts gaben 25 Prozent in den USA an, nicht für einen Mormonen als Präsident stimmen zu wollen. Diese Vorbehalte sind größer als die gegen einen weiblichen oder dunkelhäutigen Präsidenten.

Kennedy-Rede als Vorbild

Romneys Berater inszenierten seinen Auftritt in Houston mit Sinn fürs historische Vorbild: Kurz vor der Wahl 1960 hatte der Katholik John F. Kennedy dem tiefen Misstrauen der mehrheitlich protestantischen US-Wähler gegen Papstanhänger eine viel beachtete Rede über Trennung von Religion und Politik entgegengesetzt. Die Rede wurde zum Wendepunkt, Kennedy gewann als erster Katholik die Wahl. Auf einen ähnlichen Effekt hofft Romney. Kennedy habe klargemacht, dass er "als Amerikaner, nicht als Katholik kandidiert", erinnerte Romney. "Ich versichere Ihnen: Keine Autoritäten meiner Kirche werden jemals Einfluss auf präsidiale Entscheidungen haben."

Mit seiner Glaubensoffensive reagiert Romney auf eine Entwicklung, die seine zunächst erfolgreich angelaufene Wahlkampfstrategie zum Einsturz bringen könnte. Sprungbrett für den Einzug ins Weiße Haus sollte ein Sieg im Bundesstaat Iowa sein, wo in vier Wochen die Vorwahlen beginnen. Romney investierte viel Geld in Iowa, monatelang führte er dort die Umfragen an, bis sich in den letzten Tagen der Baptisten-Prediger Mike Huckabee vor ihm an die Spitze setzte. Huckabee präsentiert sich als "der christliche Kandidat". Er spielt die Religionskarte: Wenige Augenblicke vor Romneys Rede weigerte Huckabee sich im Sender MSNBC, Romney als Christen anzuerkennen. Dieser müsse "für sich entscheiden", ob er Christ sei.

Damit kommt Huckabee bei den vielen bibeltreuen Wählern in Iowa gut an, denen Romneys Mormonentum fremd und verdächtig erscheint. Politikprofessor Dennis Goldford von der Drake-Universität in Iowa sieht Romneys wegen der Bedenken gegenüber der geheimnisvollen Religion im Nachteil: "Viele halten das Mormonentum nicht für eine Religion, sondern für einen Kult, und Romney wird sie niemals überzeugen können." Einer neuen CNN-Umfrage zufolge sprechen 41 Prozent der US-Bürger den Mormonen die Zugehörigkeit zum Christentum ab.

Glaubensfragen landen immer wieder vor Gericht

Die sechs Millionen US-Mormonen sehen sich als Christen. Ihr Lebenswandel unterliegt strengen Beschränkungen. Verboten sind Alkohol, Kaffee, Tee, Tabak und Sex vor der Ehe. Im 19. Jahrhundert praktizierten die 1830 vom US-Pionier Joseph Smith gegründeten Mormonen die Vielehe. Zwar hat die Kirchenleitung der Polygamie schon lange abgeschworen, doch wird sie von Splittergruppen immer noch praktiziert. Regelmäßig kommt es in den USA deshalb zu Gerichtsverfahren, die die öffentliche Wahrnehmung prägen.

In seiner Rede lehnte es Romney, der in seiner Jugend zwei Jahre als Missionar durch Frankreich reiste, ab, die mormonische Theologie zu erläutern. "Ich stehe aber treu zu meinem Glauben", sagte er. "Manche sagen, dass dieses Bekenntnis meine Kandidatur zerstört. Vielleicht haben sie Recht, vielleicht unterschätzen sie aber auch die Amerikaner."

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