US-Republikaner : Kandidaten gehen aufeinander los

Vor der ersten Abstimmung über den US-Präsidentschaftskandidaten gehen die Bewerber der Republikaner härter zur Sache. Da wird auch mal über Ehebruch gelästert.

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Favoriten. Mitt Romney (links) und Newt Gingrich führen das Feld an. Foto: Reuters
Favoriten. Mitt Romney (links) und Newt Gingrich führen das Feld an. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Der Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur wird härter. Drei Wochen vor der ersten Vorwahl in Iowa richteten die Bewerber bei einer TV-Debatte in der Stadt Des Moines in der Nacht zum Sonntag jeweils scharfe persönliche Angriffe gegen ihre Rivalen. Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, warf seinem Gegenspieler Newt Gingrich unter Anspielung auf dessen drei Ehen und mehrere außereheliche Affären vor: „Wer seine Frau betrügt, wird auch seine Geschäftspartner betrügen.“

Bei der Debatte zog Gingrich, der ehemalige Präsident des Abgeordnetenhauses, die meisten Angriffe auf sich. Die Umfragen sind in Bewegung, seit Herman Cain, der schwarze Geschäftsmann und zwischenzeitliche Favorit der Basis, vor einer Woche aus dem Rennen ausgeschieden ist. Zuvor hatten ihm mehrere Frauen vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben. Die meisten US-Experten erwarten, dass Mitt Romney, der frühere Gouverneur von Massachusetts, die Nominierung gewinnen und gegen Präsident Barack Obama antreten wird. Allerdings hat er das Handicap, dass er bei der konservativen Basis nicht ankommt.

Nun gilt Gingrich für republikanische Stammwähler als eine mögliche Alternative. Er war in den neunziger Jahren als „Speaker“ des Abgeordnetenhauses der Gegenspieler des damaligen Präsidenten Bill Clinton und rühmt sich, er wisse am besten, wie man einen demokratischen Präsidenten besiegt. Viele Kommentatoren warnen jedoch, er werde bald über seine Eitelkeit und sein loses Mundwerk stolpern.

Gingrich genoss es sichtlich, bei der TV-Debatte im Zentrum zu stehen. Die Angriffe beantwortete er mit lautem Lachen, als seien das Scherze, die an ihm abperlen. Nur als es um seine Ehebrüche ging, wurde er ernst und demutsvoll: „Darüber müssen die Wähler urteilen. Ich habe offen bekannt, dass ich Fehler begangen habe, und Gott um Vergebung gebeten.“

Gingrich hatte angekündigt, er werde sich nicht an persönlichen Attacken beteiligen, teilte aber kräftig aus. Als Romney betonte, er habe als Geschäftsmann gelernt, wie man neue Jobs schafft, während Gingrich Politiker und Lobbyist gewesen sei, entgegnete der: „Mitt, du bist doch nur in der Wirtschaft gelandet, weil du die Senatswahl 1994 gegen Ted Kennedy verloren hast.“

Die Tea-Party-Favoritin Michele Bachmann griff wiederum lustvoll die beiden Top-Kandidaten an und warf in einer Kombination aus beider Namen „Newt Romney“ vor, sie hätten zeitweise eine allgemeine Krankenversicherung gefordert. Sie lehne das ab, sagte sie und bezeichnete sich als „die einzige wahre Konservative“. Als auch Perry dem Ex-Gouverneur Romney vorwarf, in Sachen Krankenversicherung zu wackeln, bot der eine Wette über 10 000 Dollar an, dass Perry irre. Das war politisch riskant. In Sendern in Iowa wurde der Wetteinsatz trocken mit dem Hinweis kommentiert, dass dies dreimal so viel sei, wie normale Bürger im Monat verdienen.

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