Politik : US-Senat bestätigt ihn mit 14 Monaten Verzögerung

Robert von Rimscha

Das Weiße Haus konnte endlich aufatmen. Am Donnerstag passierte die Nominierung Richard Holbrookes als neuer US-Botschafter bei den Vereinten Nationen den Senat mit 81 Ja- gegen 16 Nein-Stimmen. Dass der Bestätigung ein 14-monatiges Tauziehen vorausging, lag weniger an der Person des Spitzendiplomaten als an politischen Erpressungsversuchen.

Holbrookes Karriere hatte mit der Teilnahme an den Pariser Friedensverhandlungen zu Vietnam begonnen und zu Staatssekretärs-Posten, zur Entsendung als US-Botschafter nach Bonn und zur Berufung als Sonderbeauftragter für Bosnien und Zypern geführt. Zwischendurch war Holbrooke mehrfach in die Privatwirtschaft gewechselt; zuletzt war er Investmentbanker. Als Präsident Clinton Holbrooke im Juni 1998 zum Nachfolger des inzwischen Energieminister gewordenen Bill Richardson berief, tauchten anonyme Briefe auf, die Holbrooke bezichtigten, dienstliche Kontakte zur Geschäftsanbahnung missbraucht zu haben. Die Ermittlungen wurden gegen Zahlung von 5000 Dollar eingestellt. Wegen sachfremder Themen kam es weiterer Verschleppung. Ein Senator blockiert jede Abstimmung, weil ihm die Behandlung einer US-Diplomatin bei den UN nicht passte, die kritische Interna gegenüber dem Kongress offengelegt hatte und dafür strafversetzt wurde. Holbrooke, von europäischen Diplomaten als durchsetzungskräftig und willensstark, oft aber auch als arrogant beschrieben, stand die 14 Monate Wartezeit mit stoischer Miene durch.

In der Senats-Debatte sagte der Demokrat Sarbanes: "Holbrooke wird exzellent sein." Der Republikaner Chuck Hagel sprach sich auch für Holbrooke aus und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dieser werde überparteilich agieren. Für die Gegner sprach die texanische Republikanerin Hutchison: "Holbrooke führt unser Land in die falsche Richtung. Er zwingt dem Balkan ein US-Modell auf." Es sei Holbrookes Schuld, dass an der Fiktion staatlicher Einheit in Bosnien festgehalten werde, wo doch 98 Prozent der Bevölkerung in "ethnisch gesäuberten" Gebieten lebten.

Holbrooke tritt sein Amt in einer Zeit an, die die "New York Times" als "Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen den USA und den UN" charakterisierte. Holbrooke gilt als möglicher Außenminister unter einem Präsidenten Gore. Offen ist noch seine Nachfolge an der Spitze der American Academy in Berlin.

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