Politik : US-Senator: Nato soll sich um Energieversorgung kümmern

Christoph von Marschall[Washington]

Der Senator kommt im umweltfreundlichen Kleinwagen mit Hybridmotor. In seinem Heimatstaat Indiana wirbt er für die Umstellung auf Biotreibstoffe, für die Farmer dort auch eine neue Einkommensquelle. Dem Thema Energie und der Abhängigkeit des Westens gelten die Sorgen Richard Lugars, Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses im US-Senat, auch im Gespräch mit einer kleinen Gruppe ausländischer Journalisten im National Press Club. Öl und Gas sind endlich, der Wettbewerb darum nimmt zu, gegenüber der Ukraine hat Moskau das Erpressungspotenzial gezeigt.

„Man muss heute keine Armee mehr schicken, um ein Land zu unterwerfen. Es reicht, den Gashahn abzudrehen“, sagt der liberale Republikaner. Deutschland ist zu 40 Prozent von russischem Gas abhängig, Ungarn zu 80 Prozent. Rät er Deutschland, sich nach Alternativen umzusehen? „Ihr habt doch Ex-Kanzler Schröder bei Gasprom“, scherzt Lugar, fügt aber an: „Die Deutschen müssen selbst wissen, ob sein Job dort eine ausreichende Garantie gegen politischen Druck ist.“ Eine alternative Pipeline südlich Russlands, die turkmenisches Gas nach Europa pumpen kann, „wird in den nächsten Jahren gebaut“.

Der 74-Jährige ist ein Diplomat. Er kleidet seine Verwunderung, dass Deutschland, die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, sich so wenig um die Sicherung seines Energiebedarfs kümmert und an keinem der großen Konsortien zur Öl- und Gasförderung oder dem Pipelinebau beteiligt ist, in höfliche Worte. Und empfiehlt, die Nato solle Energieversorgung zu ihrem Aufgabenbereich erklären.

Energie- und Sozialpolitik hängen für ihn zusammen. Ohne die Abhängigkeit vom Öl aus der arabischen Welt könnten die USA „50 Milliarden Dollar pro Jahr weniger für Militär ausgeben“ und, zum Beispiel, in eine bessere Gesundheitsversorgung Armer und Alter stecken. Der Deal mit Ländern wie Saudi-Arabien, „ihr liefert uns Öl, wir stützen eure Regime“, sei „nicht mehr der richtige für die Zukunft“, sagt Lugar. Alle Industriestaaten müssten neu über Atomkraft nachdenken, auch Deutschland, aber auch die USA, die seit 30 Jahren kein Atomkraftwerk mehr gebaut haben; ihr Anteil an Atomstrom (20 Prozent) ist geringer als in Deutschland (26 Prozent).

Alternative Energien werden die traditionellen nicht so bald ersetzen, sind für Lugar aber eine wichtige Perspektive. Auch die USA denken um, nur gehe es langsam, weil die politische Energie des Präsidenten und des Kongresses durch andere Probleme aufgebraucht würden.

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