US-Sicherheitsberater Jones : Militärische Macht allein reicht nicht

Der US-Sicherheitsberater James Jones begrüßt den zivilen Beitrag der Verbündeten in Afghanistan: "Die Zeit, in der man die Güte der Beziehungen an der Zahl der Soldaten maß, ist vorbei."

Christoph von Marschall[Washington]

Der Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten sieht Versäumnisse in der zivilen Politik der USA in Afghanistan. Dem "Tagesspiegel" sagte Jones: "Die USA erledigen den miltärischen Teil ziemlich gut", im 21. Jahrhundert gebe es jedoch "eine zusätzliche Seite, und die fällt uns nicht so leicht". Militärische Macht allein "reicht nicht in den Konflikten, mit denen wir es jetzt zu tun haben", sagte Jones. "Wer nur militärische Beiträge anbieten kann, muss damit rechnen, viel länger zu bleiben."

Ausdrücklich begrüßte Jones den zivilen Beitrag der Verbündeten. Dafür sei auch Bosnien vor Jahren ein Beispiel gewesen. In der Tatsache, dass die USA demnächst doppelt so viele Soldaten in Afghanistan haben werden wie alle Verbündeten zusammen, sieht er kein Problem: "Jeder Staat hat seine eigene Geschichte, seine politischen und ökonomischen Möglichkeiten. Die USA müssen nicht der Maßstab für Frankreich oder Spanien und nicht einmal für ganz Europa zusammen genommen sein." Jones weiter: "Die Zeit, in der man die Güte der Beziehungen an der Zahl der Soldaten maß, liegen hinter uns." Wenn die Europäer allerdings aus freien Stücken Truppen schickten, würde die US-Regierung dies "selbstverständlich" begrüßen. "Wir freuen uns über jeden, der mehr Soldaten stellen kann." Bei der Truppenanfrage an die Nato zur Wahl in Afghanistan gehe es darum, eine sicheres Umfeld für diese Wahlen zu schaffen. "Ob diese Truppen länger bleiben oder nach der Wahl gleich wieder nach Hause gehen, ist eine andere Frage."

Jones, der längere Zeit in Deutschland gelebt hat, sagte, Afghanistan könne zum Beispiel durch Beiträge des "großartigen Rechtsstaats" Deutschland "einiges lernen". Auch in der Polizeiausbildung hätten die Deutschen "viel geleistet". "Das sind die Dinge, die zur Wende in Afghanistan beitragen."

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