Politik : US-Verbündete: Die arabischen Freunde zweifeln an Amerika

Andrea Nüsse

Die US-Regierung unter Geoge W. Bush hat bereits so manchen Verbündeten vor den Kopf gestoßen. Am größten ist die Frustration über die Außenpolitik der republikanischen Regierung aber wohl in der arabischen Welt. Die Unterstützung Israels im Kampf gegen die Palästinenser und die harte Haltung gegenüber Irak sind die Ursache. Hatte die Enttäuschung zunächst die Bevölkerungen erfasst, so sind nach knapp einem Jahr Intifada und israelischer Repression sogar die Regierungschefs der Hauptverbündeten der USA in der Region verzweifelt: Vergeblich haben sie Bush immer wieder aufgefordert, in den Konflikt einzugreifen, um dessen Ausweitung zu verhindern. Und Druck auf Israel auszuüben, das allein auf militärisches Vorgehen zu setzen scheint.

Zuletzt hatte vor zwei Wochen der Berater des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, Ossama al-Baz, versucht, die Botschaft in Washington an den Mann zu bringen: "Das war ein völliger Fehlschlag", erklärt Mohammed Al-Sayed Said vom Al-Ahram-Strategic-Center, dem wichtigsten ägyptischen Think-Tank. "Die Beziehungen zwischen den USA und Ägypten sind auf einem historischen Tiefpunkt", sagte Said im Gespräch mit dem Tagesspiegel zwei Tage vor den Anschlägen in den USA.

Die "totale Parteinahme" der Bush-Regierung für Israel hat den ägyptischen Präsidenten nach Angaben Saids "völlig überrascht". Im Wahlkampf hätte Ägypten noch zahlreiche Versicherungen von Seiten der Republikaner erhalten, dass man sich weiterhin im Nahostkonflikt engagieren werde. Die USA würden sich mehr an ihren eigenen Interessen orientieren, hatte es geheißen. Doch davon sehen auch die Golf-Staaten ihren engen Verbündeten weit entfernt.

Am augenscheinlichsten wurde der Unmut, der auch ein Amerika-höriges Regime wie Saudi-Arabien erfasst hat, als Kornprinz Abdallah Bin Abdulaziz im Mai seinen Besuch in Washington aus Protest gegen die "pro-israelische" US-Politik absagte. Nach den Terroranschlägen in den USA stellten sich die ägyptische und die saudische Regierung aber wie die meisten anderen arabischen Regime auf die Seite Amerikas. Die beiden Verbündeten boten Washington die Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus an. Dies wird umso nötiger, als bereits Spuren zu saudischen Staatsbürgern führen, die mit dem saudischen Dissidenten bin Laden zusammengearbeitet haben sollen.

Doch der Disput über die einseitige Unterstützung Israels durch die USA wird davon nur vorübergehend überlagert werden. Denn fast prophetisch hatte die saudische Zeitung "al-Riad" geschrieben, "latente arabische Kräfte" könnten in unvorhergesehener Weise reagieren, wenn die arabischen Regierungen weiterhin untätig dem Blutvergießen in Palästina zusähen. Am gleichen Tag haben Terroristen Washington und New York angegriffen. Doch die Angst ist groß, dass beim nächsten Mal das eigene Regime die Zielscheibe ist.

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