US-Vorwahlen : Auch in Texas noch ein Erfolg für Obama

Die Auszählung der US-Vorwahlen wurden korrigiert: Hillary Clinton verbucht drei Siege - dafür stehen hinter Obama immer noch mehr Deligierte. Es gibt bereits Spekulationen über eine Wiederholung der Vorwahlen in Michigan und Florida.

Christoph von Marschall
Obama
Barack Obama sieht sich als Sieger der Vorwahl in Texas. -Foto: AFP

WashingtonZwei Tage nach Hillarys Clintons Erfolg über Barack Obama bei den jüngsten Vorwahlen geht es in beiden Wahlkampfteams emotional hoch her. Zahlenmäßig klärt sich die Lage langsam. Ihre drei Siege in Ohio, Texas und Rhode Island gegen seinen Sieg in Vermont bringen ihr netto wohl nur vier bis zehn mehr Delegierte als ihm. Also führt er – je nachdem, welcher Zählung man folgt – weiter mit 80 bis 180 Delegierten. Die Delegierten entscheiden am Ende mit Mehrheitsabstimmung, wer der Kandidat wird.

Psychologisch dagegen hat Clinton nach Analysen der US-Medien einen Vorteil erzielt. Sie hat seine Serie von elf Siegen in Folge seit dem Super Tuesday gestoppt. Er wirkt nicht mehr unaufhaltbar. „New York Times“ und „Washington Post“ prognostizieren, der Wahlkampf in der Demokratischen Partei werde nun härter und schmutziger. Die Bilanz der vier Vorwahlen hinterlasse den Eindruck, Clintons persönliche, teils rücksichtslose Attacken auf Obama hätten bei manchen Wählern Wirkung gezeigt.

Obama versprach nun, er werde sich schärfer wehren. Die Zeitungen warnen jedoch, sieben Wochen eines schrillen Wahlkampfes zwischen den beiden Demokraten bis zur nächsten symbolisch wichtigen Vorwahl am 22. April in Pennsylvania könnten die Siegchancen der Demokraten in der Hauptwahl gegen den Republikaner John McCain am 4. November schmälern. Zuvor wählen freilich noch zwei weniger gewichtige Staaten: Wyoming an diesem Samstag und Mississippi am Dienstag; in beiden Fällen wird ein Sieg Obamas erwartet.

Besonders krass ist der Kontrast zwischen dem öffentlichen Eindruck einer Niederlage Obamas und dem tatsächlichen Ergebnis in Delegiertenstimmen in Texas. Clinton gewann den Staat nach Auszählung der abgegeben Stimmen mit 51 zu 47 Prozent; doch nur die Hälfte der Delegierten aus Texas wird auf Grund dieses Resultats zugeteilt; ein weiteres Viertel richtet sich nach den Caucuses, den Wählerversammlungen am Abend nach Schließung der Wahllokale. Und dort siegte Obama mit 56 zu 44 Prozent, weil seine Anhänger disziplinierter zum Caucus gingen als die Clinton-Wähler. In der entscheidenden Gesamtzählung in Delegiertenstimmen hat nach jetzigem Stand Obama Texas gewonnen.

Unter dem Strich hat keiner der beiden mehr die Chance, sich die Nominierung allein durch Siege in den verbleibenden Vorwahlen zu sichern. Dafür sind 2025 der 4048 Delegiertenstimmen auf dem Parteitag Ende August in Denver erforderlich. Die können Clinton oder Obama nur noch mit Hilfe der Superdelegierten erreichen. Sie gehen nicht aus Vorwahlen hervor, sondern verdanken ihre Stimme ihrem Amt. Anfangs hatte Clinton einen Vorsprung unter Superdelegierten. In den jüngsten Wochen sind immer mehr von ihnen zu Obama übergelaufen. Clinton appelliert jetzt an die Superdelegierten, sich nicht vorzeitig für Obama festzulegen.

Parallel dazu wird neu über Michigan und Florida debattiert. Beide Staaten hatten ihre Vorwahlen entgegen den Vorgaben der Parteiführung im Januar abgehalten. Zur Strafe entschied die Parteiführung, dass diese Delegierten bei der Nominierung nicht zählen. Clinton möchte das revidieren, weil sie in Michigan und Florida besser abschnitt. Obama sagt, man dürfe die Spielregeln nicht mitten im Rennen ändern. Ein Kompromiss könnte sein, dass beide Staaten im Juni nochmals Vorwahlen abhalten.

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