US-Vorwahlen der Republikaner : Mitt Romney - Der Phönix aus der Asche

Erst war Mitt Romney der Favorit der Republikaner, doch dann stürzte er ab. Vielen in der Partei war er zu moderat. Jetzt ist er in die Offensive gegangen und wird die Vorwahl in Florida heute wohl gewinnen. Das ist ein kleines Wunder.

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Herzensbrecher. Mitt Romney beim Bad in der Menge in Orlando, Florida.
Herzensbrecher. Mitt Romney beim Bad in der Menge in Orlando, Florida.Foto: AFP

Nun kann er wieder spotten. „Am einen Abend ist Newt das Publikum im Saal zu leise, am anderen zu laut“, mokiert sich Mitt Romney beim Wahlkampfauftritt im Pioneer Park, dem Kulturzentrum der Kleinstadt Dunedin an der Golfküste von Florida, etwa 40 Kilometer westlich von Tampa über seinen Rivalen Gingrich. „Mal kündigt Newt an, er nehme nur noch an Streitgesprächen teil, wenn die Leute im Saal lautstark reagieren dürfen. Mal verlangt er, das Publikum solle ruhig bleiben, um die Debatte nicht zu stören. Er ist wie Goldilocks.“

Fast jeder ältere Erwachsene in den USA kennt das Märchen Goldilocks, die Geschichte von den drei Bären und der alten Frau. Die zentrale Szene handelt von den Ausreden, dass der Haferbrei entweder zu kühl oder zu heiß sei, als dass man ihn essen könne. Als sie noch klein waren, wurden viele Amerikaner mit der Story genötigt, den Teller leer zu löffeln.

Romney weiß, dass die Leute lachen werden. Er erzählt die Episode an jeder Station, bevor die Wahllokale in Florida am Dienstagabend schließen: am Wochenende in Pensacola an der Grenze zu Alabama und in Naples im Süden; am Montagmorgen in Jacksonville, am frühen Nachmittag hier in Dunedin, und abends bei der Versammlung am Landungssteg in The Villages, einer Pensionärssiedlung am Lake Sumter, wird er es ebenso tun. Er will den Eindruck verbreiten, dass Gingrich ein larmoyanter Verlierer sei, den er nicht mehr ernst nehmen müsse. Er greift Gingrich genau auf dem Feld an, das der bisher als seine größte Stärke ausgegeben hat: die Fähigkeit, jeden Kontrahenten in einer Fernsehdebatte niederzumachen – weshalb Gingrich von allen Republikanern die besten Aussichten habe, Präsident Obama zu besiegen. Behauptet Gingrich.

Vermutlich liegt Romney richtig mit der Beschreibung der Kraftverhältnisse. Seine Körperhaltung wirkt jetzt wieder so locker, wie er sich kleidet: Jeans, Freizeithemd mit aufgekrempelten Ärmeln, sportliche Schuhe. Im Schnitt der letzten Umfragen liegt er bei 41 Prozent, mehr als elf Prozentpunkte vor Gingrich.

Das ist ein kleines Wunder. Vor acht Tagen wirkte er wie „Dead Man Walking“: ein dem politischen Tod geweihter Kandidat. Man sah es an seinen verkrampften Bewegungen und fahrigen Gesten. Das verriet auch seine schnappende Stimme. Er versuchte, entspannt zu lächeln, aber das wirkte künstlich. Da hatte er gerade die Vorwahl gegen Gingrich in South Carolina verloren – nicht knapp, sondern krachend mit 27,8 zu 40,4 Prozent. Außerdem hatten sie in Iowa nachgezählt und ihm rückwirkend den knappen Sieg über Rick Santorum, den Liebling der religiösen Rechten, aberkannt.

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