US-Vorwahlen : Einig gegeneinander

Wie eine übermotivierte Sportlerin und "Mister Feel-good“: Clinton und Obama gehen die Streitthemen aus. Die für die Demokraten möglicherweise entscheidenden Vorwahlen rücken immer näher.

Christoph von Marschall[Washington]
Clinton und Obama
Hillary Clinton (links) und Barack Obama haben sich nicht mehr viel zu sagen. -Foto: dpa

Der Abend begann mit einer äußerst angriffslustigen Hillary Clinton. Es war vielleicht ihre letzte Chance, die Debattenhoheit zurückzuerlangen. 90 Minuten kostenlose Fernsehzeit für die Frau, die zu Jahresbeginn als Favoritin gestartet war, aber ihrer Kampagne zwischenzeitlich fünf Millionen Dollar vom Privatkonto leihen musste, um aussichtsreich im Rennen zu bleiben. Jedenfalls war diese 20. TV-Debatte mit Barack Obama ihre letzte Gelegenheit vor den Vorwahlen der Demokraten am kommenden Dienstag in Ohio und Texas. In beiden Staaten muss sie gewinnen, sagt selbst ihr Mann Bill Clinton, um Barack Obamas elf Siege in Folge zu neutralisieren.

Und so attackiert Hillary von Beginn an in der Sporthalle der Universität von Cleveland, Ohio. Sie beschwert sich, ihr Konkurrent verzerre ihre Positionen – während die US-Medien solche Negativwerbung eher von ihr ausgehen sehen. Sie erneuert ihre Kritik, Obamas Plan für eine allgemeine Krankenversicherung lasse Millionen ohne Absicherung. Der verteidigt sich, wie gewohnt: Sie beide wollten doch alle Amerikaner versichern – Hillarys Plan aber setze auf Zwang, seiner auf finanzielle Hilfe, um allen den Kauf einer Versicherung zu ermöglichen.

Hillary agiert wie eine übermotivierte Sportlerin, die das Risiko, unangenehm aufzufallen, ignoriert. Sie beschwert sich, dass sie die erste Frage bekommt. Sie fragt spitz, ob die Moderatoren Obama nicht ein weiches Kissen reichen wollen, damit er bequemer sitzt. Und sie will selbst nach drei Wortwechseln zur Krankenversicherung kein neues Thema ansprechen: „Nein, nein, nein, dazu muss ich noch was sagen.“ Nicht einmal die Werbepause will sie akzeptieren, nach 16 Minuten, in denen überwiegend sie das Wort an sich gerissen hat.

Nach der kurzen Unterbrechung wirkt Clinton kühler, nutzt aber weiter jede Frage, um Obamas Positionen schlechtzureden. Es ist eine widersinnige Konstellation: In den Umfragen in Ohio führt Clinton mit acht Prozentpunkten, in Texas liegen beide gleichauf. Aber hier auf der Bühne wirkt sie wie seine Herausforderin; die Dynamik ist auf Obamas Seite. Er spricht ruhig und souverän, zwischendurch lobt er sogar ihre Standpunkte, was den Kontrast zu ihren Mäkeleien verstärkt. Neuerdings sagen 60 Prozent der Demokraten, er könne den Republikaner John McCain besiegen; ihr traut das nur ein Drittel zu. Und ihr Vorsprung schmilzt, selbst in ihren Kerngruppen Frauen, weiße Arbeiter und Hispanics.

Sie findet kein Mittel gegen diesen „Mister Feel-good“, der allen Versöhnung, Zusammenarbeit und eine bessere Zukunft verspricht. Fast täglich wechselt sie die Strategie, mal um Fairness bemüht, dann rücksichtslos aggressiv, zwischendurch hat sie seinen Redestil karikiert. Inhaltlich sind die Differenzen der beiden Kandidaten zu gering, um damit zu punkten, in der Innen- wie in der Außenpolitik. Beide sprechen jetzt populistisch gegen Freihandelsabkommen. Die vernichteten Jobs in den USA, behaupten sie mit Blick auf die Wähler im krisengeschüttelten Ohio. Man darf beiden unterstellen: wider besseres Wissen.

Clinton beharrt, sie sei erfahrener und die konsequentere Kämpferin. Aber als sie gebeten wird, etwas über den Mann zu sagen, der wohl Wladimir Putins Nachfolger als russischer Präsident wird, gerät sie ins Stottern: „Ned…, Med…, wie auch immer.“ Obama sagt, er habe das bessere Urteilsvermögen und habe von Anfang an gegen den Irakkrieg gesprochen. Sie stimmte damals dafür, am Ende der Debatte nennt sie das deutlicher als je zuvor einen Fehler. Auf die Frage, welche Entscheidung aus der Vergangenheit sie zurücknehmen würde, sagt Clinton: mein Votum für den Irakkrieg. Obama sagt, der Kongress hätte die Frage des würdigen Sterbens im Fall der Komapatientin Teri Schiavo nicht an sich reißen dürfen, sondern der Familie überlassen müssen. Er hätte lauter widersprechen sollen.

Zum Finale herrscht wie bei der Debatte vor fünf Tagen eitel Harmonie: Beide erklären, welche Ehre es sei, gegeneinander antreten zu dürfen. Den Vorteil des Tages aber verbucht Obama für sich. Der ausgeschiedene Präsidenschaftsbewerber Chris Dodd hat sich für Obama ausgesprochen: Es sei höchste Zeit, dass die Demokraten den Streit beenden und sich hinter einem Kandidaten versammeln.

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