US-Vorwahlen : McCain bei Republikanern vorn

Der überraschende Verlauf der ersten zwei Vorwahlen im US- Präsidentschaftsrennen 2008 hat Amerikas Wähler mobilisiert und zu starken Verschiebungen in den Umfragen geführt.

Christoph von Marschall
McCain
Nase vorn. John McCain entwickelt sich zum Favoriten bei den Republikanern. -Foto: AFP

Washington - Nach den jüngsten Ergebungen der „Washington Post“ führt bei den Republikanern erstmals seit einem Jahr der moderat-konservative Senator von Arizona, John McCain, mit 28 Prozent. Zweiter ist der Gitarre spielende Pfarrer und Ex- Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee (20), Dritter Mitt Romney, der Ex-Gouverneur von Massachusetts, Geschäftsmann und Mormone, Vierter New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani (15 Prozent). Das ganze Jahr 2007 hatte Giuliani in Führung gelegen.

John McCain galt seit dem Sommer als abgeschrieben. Der Vietnamveteran hatte die unpopuläre Truppenverstärkung im Irak unterstützt, kaum Wahlkampfspenden bekommen und musste den Großteil seiner Mitarbeiter entlassen. Seit die Anschläge im Irak zurückgehen, wird McCain als weitsichtig und militärisch kompetent wahrgenommen. Die Vorwahl in New Hampshire gewann er. Die „New York Times“ kommt in ihrer Erhebung zu ähnlichen Verschiebungen bei den Sympathien für die republikanischen Kandidaten. Beide Umfragen ergeben ein ungewöhnlich hohes Interesse der Bürger, wie es noch nie in dieser frühen Phase des Rennens gemessen wurde.

Bei den Demokraten hat sich ein ähnliches Erdbeben ereignet. Hillary Clinton führt in den landesweiten Umfragen noch knapp vor Barack Obama, bei der „Washington Post“ mit 42 zu 37 Prozent. Doch ihren komfortablen Vorsprung, der 2007 die meiste Zeit zwischen 15 und 30 Prozentpunkten betrug, hat sie seit Obamas überraschend hohem Auftaktsieg in Iowa weitgehend eingebüßt. Gegenüber Dezember hat Clinton elf Prozentpunkte verloren, Obama 14 Prozentpunkte gewonnen. John Edwards liegt als Dritter abgeschlagen bei elf Prozent.

Nach der „New York Times“-Umfrage hat Obama seine Werte vor allem auf den Feldern Wählbarkeit und Eignung als Oberbefehlshaber verbessert und mit Clinton nahezu gleichgezogen. Sie hat einen klaren Vorsprung bei Erfahrung (53 zu 40 Prozent). Ihm trauen die Bürger in Amerika eher zu, eine grundlegende politische Wende herbeizuführen und die Nation zu einen. Unter schwarzen Wählern liegt Obama jetzt mit 49 zu 34 Prozent vor Clinton. Sie stellen, sofern sie zur Wahl gehen, rund die Hälfte der Wähler in South Carolina, wo am 26. Januar die Vorwahl über den Wunschkandidaten bei den Demokraten ansteht. Am heutigen Dienstag stimmt der Industriestaat Michigan ab, am 19. Januar ist Nevada an der Reihe. Christoph von Marschall

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