US-Vorwahlen : Obama feiert Kantersieg

Selbst die größten Optimisten im Lager von Barack Obama hatten keinen solch überwältigenden Sieg in South Carolina erwartet. Das Rennen wird immer spannender. Die Rolle von Ex-Präsident Bill Clinton könnte die Wahl entscheiden.

Peer Meinert
Obama
Barack Obam feiert den Sieg mit seinen Anhängern. -Foto: AFP

Washington 55 Prozent der Stimmen für den schwarzen Kandidaten, nur magere 27 Prozent für Hillary Clinton - das kommt einer Deklassierung der Ex-First-Lady gleich. Dabei hatten die New Yorker Senatorin und ihr rühriger Gatte und Ex-Präsident vor der Abstimmung in South Carolina alle Register gezogen, um den Rivalen zu Fall zu bringen - alles vergeblich. "We can, we can, we can", skandierten die Obama-Anhänger in der Wahlnacht. Frei übersetzt: Wir können es schaffen - den Einzug des ersten Afro-Amerikaners ins Weiße Haus.

Die Emotionen schlugen hoch am Samstagabend in South Carolina, der Saal im Convention Center in Columbia brodelte, als sich Obama endlich zeigte. Nach den Wunden, die sich die Demokraten vergangene Woche geschlagen hatten, versuchte er zu versöhnen; fast sprach er schon wie ein Präsident, ein Präsident aller Amerikaner: "Es geht bei dieser Wahl nicht um Religion oder Geschlecht, es geht nicht um Arme gegen Reiche, Junge gegen Alte oder Schwarz gegen Weiß. Es geht um die Vergangenheit gegen die Zukunft". Immer wieder riefen seine Anhänger: "Race doesn't matter" - Rasse spielt keine Rolle.

Afro-Amerikaner unterstützen Obama

Doch so ganz stimmte das nicht in South Carolina. In Wirklichkeit verdankt Obama seinen Triumph der übergroßen Zustimmung der schwarzen Wähler - "eine Dynamik, die sich bei der Abstimmung am 5. Februar, wenn in 22 Staaten gewählt wird, nicht unbedingt als entscheidend erweisen muss", warnte die "New York Times" in einer Analyse. Das Dilemma: Wenn die Frage der Hautfarbe zum Thema wird, könnte das viele weiße Wähler von einem Votum für Obama abschrecken.

Tatsächlich hatte Obama, Sohn eines afrikanischen Austauschstudenten und einer weißen Amerikanerin, das Thema Hautfarbe geflissentlich aus dem Wahlkampf heraushalten wollen - es war Ex-Präsident Bill Clinton, der das Thema als fleißiger Wahlhelfer seiner Frau geschickt in die Schlagzeilen brachte. Wahlstrategen fürchten bereits, dass es ausgerechnet in der "Rassenfrage" zu einer Zerreißprobe im demokratischen Lager kommen könnte.

Entscheidet der "Bill-Faktor"?

Überhaupt, meinen Experten, sei der "Faktor Bill" mitentscheidend gewesen für den Wahlausgang. Die aggressiven und persönlichen Attacken des Ex-Präsidenten auf den Gegner hätten sich als Bumerang erwiesen. "Jetzt muss sich Hillary Clinton einige Fragen über eine neue Strategie stellen", meinte ein TV-Kommentator. Tatsächlich zog die Senatorin aus New York schon unmittelbar nach Schließung der Wahllokale eine erste Konsequenz: Sie flog noch in der Nacht nach Tennessee, um dort den Wahlkampf für den "Super-Tuesday" aufzunehmen.

Schon schwelt neuer Krach zwischen den Lagern: Hillary Clinton hat deutlich gemacht, in letzter Minute und entgegen Abmachungen der Demokraten nun doch in Florida Wahlkampf machen zu wollen. Dabei hatte die Parteispitze vereinbart, dem Bundesstaat alle Delegierten für die Kandidaten-Kür zu streichen und dort keine Wahlkampfauftritte zu machen - als "Strafe" dafür, dass Florida seine Vorwahl auf Dienstag vorverlegt hatte. Es heißt, Clinton wolle Florida jetzt zu einem "Medienereignis zu ihren Gunsten" machen.

Manche Auguren malen bereits das Schreckgespenst an die Wand, dass sich selbst beim "Super-Dienstag", wenn in halb Amerika gewählt wird, noch kein Kandidat herausschält. Die "Washington Post" spricht gar von der "Möglichkeit, dass sich der Konflikt bis März oder gar April hinzieht". Für Wahlstrategen bedeutet dies schlichtweg ein Alptraum - sie fürchten unter anderem, es könne ihnen das Geld ausgehen. Umfragen zufolge liegt Hillary Clinton zwar in den bevölkerungsreichen Staaten wie Kalifornien und New York vorn - doch Umfragen haben sich bei diesen erbitterten Vorwahlen schon des öfteren als wenig korrekt erwiesen.

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