US-Vorwahlen : Obama siegt in Mississippi

Barack Obama gewinnt die Vorwahl der Demokraten in Mississippi erwartungsgemäß. Der Vorsprung auf Hillary Clinton wird damit größer, aber nicht entscheidend. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der Präsidentschaftsbewerber lässt die Partei über einen ungewöhnlichen Schritt nachdenken.

Obama Anhänger
Obama hat in Mississippi viele Anhänger. Der Sieg war ihm relativ sicher. -Foto: dpa

WashingtonIm Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten erringt Barack Obama im Bundesstaat Mississippi nach Teilergebnissen seinen 29. Sieg gegen Hillary Clinton. Der Senator aus Illinois liegt mit 61 Prozent vorn. Die Senatorin aus New York kommt demnach auf 37 Prozent.

Obama kann sich vor allem auf die Afroamerikaner stützen, die laut Nachwahlbefragungen des Fernsehsenders CNN zu 91 Prozent für ihn votierten. Clinton schneidet dagegen in der Gruppe der weißen und älteren Wähler deutlich besser ab. Begleitet wurde die Vorwahl von heftigen Wortgefechten und gegenseitigen Vorwürfen beider Wahlkampf-Teams. Die Fernsehsender CNN, MSNBC, CBS und Fox sahen Obama übereinstimmend klar vor Clinton.

Der ärmste Staat

Mississippi ist einer der ärmsten Bundesstaaten in den USA und hat mit 36 Prozent den größten schwarzen Bevölkerungsanteil. In dem Südstaat werden 33 Delegierte für den Nominierungsparteitag im August vergeben. Am Samstag hatte Obama in Wyoming gewonnen, Clinton hatte am Dienstag zuvor die wichtigen Bundesstaaten Texas und Ohio für sich entschieden. Die nächsten Vorwahlen finden am 22. April in Pennsylvania statt.

Nach Delegiertenstimmen liegt Obama unterschiedlichen Zählungen zufolge knapp vor seiner parteiinternen Widersacherin. Während Clinton knapp 1500 Delegiertenstimmen gesammelt hat, sind es bei Obama gut 1600. Für eine Mehrheit auf dem Parteitag im August sind 2025 Stimmen notwendig. Das enge Rennen belebt die Diskussion um eine Wiederholung der Vorwahlen in Florida und Michigan neu. Allein durch die ausstehenden Vorwahlen kann wohl keiner der beiden Kandidaten diese Mehrheit erreichen. Bei der Nominierung könnte es zu einer Kampfabstimmung kommen, bei der die Stimmen der Superdelegierten entscheidend wären.

Strafe der Partei

Florida und Michigan hatten ihre Abstimmungen gegen den Willen der Partei auf Januar vorgezogen. Als Strafe hatte der Parteivorstand entschieden, die Delegierten auf dem Nominierungskongress Ende August in Denver nicht mitstimmen zu lassen. Clinton und Obama hatten in Absprache auf Wahlkampfauftritte in den Staaten verzichtet, und der Name des schwarzen Senators tauchte in Michigan nicht auf den Wahlzetteln auf. Dennoch gingen viele Wähler zu den Urnen und bescherten Clinton in beiden Staaten einen Sieg.

Senator Obama spricht sich für Neuwahlen in den beiden Staaten aus. Es müsse sichergestellt werden, dass die mehr als 300 Delegierten aus beiden Bundesstaaten auf dem Nominierungsparteitag abstimmen können, sagte er in einem CNN-Interview. Er werde in dieser Frage allem folgen, was die Parteiführung entscheide.

Der Ton wird rauer

Unterdessen verschärfte sich der Ton zwischen beiden Wahlkampf-Teams weiter. Nachdem in der vergangenen Woche eine außenpolitische Beraterin Obamas ihren Posten aufgeben musste, weil sie Clinton als "Monster" verunglimpft hatte, gibt es nun eine Rücktrittsforderung gegen eine Clinton-Beraterin. Obamas Wahlkampfchef David Axelrod fordert Clintons Team zur Entlassung einer prominenten Beraterin auf, die sich zu Obamas Hautfarbe geäußert hatte. Die Kritik von Clintons Beraterin Geraldine Ferraro an Obama sei "heimtückisch" und "beleidigend", sagte Axelrod.

Ferraro hatte in einem Interview mit der kalifornischen Zeitung "Daily Breeze" gesagt, Obama profitiere im Wahlkampf von seiner Hautfarbe. "Wenn Obama ein weißer Mann wäre, wäre er nicht in dieser Position", wurde Ferraro zitiert. "Wenn er eine Frau wäre, wäre er nicht in dieser Position. Er kann glücklich sein, dass er ist, was er ist." (sf/AFP/dpa)

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