US-Vorwahlen : Obama zieht an Clinton vorbei

Der schwarze Senator wird langsam zum Alptraum für das Clinton-Lager: Nach Siegen in drei Bundesstaaten liegt Obama im Kandidatenrennen der Demokraten vorn. Jetzt laufen der ehemaligen First Lady zu allem Überfluss die Wahlkampfmanager davon.

Obama
Drei Vorwahlsiege an einem Tag: Obama triumphiert über Clinton. -Foto: dpa

Nach vier Siegen am vergangenen Wochenende schlug Obama am Dienstag bei Vorwahlen in den Bundesstaaten Virginia und Maryland seine Rivalin Hillary Clinton und gewann auch die Kandidatenkür in der Bundeshauptstadt Washington klar.

Nach übereinstimmenden Berechnungen von US-Fernsehsendern übernahm er damit bei den Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im Spätsommer erstmals die Führung vor Clinton. Nach Wählerbefragungen konnte Obama in Virginia und Maryland fast alle Bevölkerungsgruppen für sich gewinnen, die sich in den bisherigen Vorwahlen bisher auf die Seite der früheren First Lady geschlagen hatten. Dazu gehören nach ersten Expertenanalysen vom Dienstagabend die Frauen.

Favorit auch für die nächste Runde

Obama gewann in Virginia nach Auszählung der meisten Stimmen deutlich mit 63 zu 36 Prozent vor Clinton. In Maryland, wo die Wahllokale wegen Eisregens länger offen gehalten wurden, zeichnete sich ebenfalls für ihn ein großer Vorsprung ab. Im Stadtbezirk Washington lag Obama rund 50 Prozentpunkte vor seiner Konkurrentin.

Der Senator aus Illinois geht auch als Favorit in die nächste Vorwahl am 19. Februar in Wisconsin und in Abstimmungen in Hawaii. Gewinnt er dort, hätte er zehn Kandidatenküren in Folge für sich entschieden, Clinton dagegen keine. Die New Yorker Senatorin hatte bereits zuvor klar gemacht, dass sie ganz auf Vorwahl-Siege in den bevölkerungsreichen gewichtigen Staaten Texas und Ohio am 4. März setzt. Entsprechend hielt sie am Dienstagabend auch bereits in der texanischen Stadt El Paso eine Wahlkampfveranstaltung ab.

Obama seinerseits sagte vor jubelnden Anhängern in Madison (Wisconsin): "Wir sind auf dem Weg." Die Dynamik werde nicht stoppen, "bevor wir einen Wandel in Washington sehen".

Obama holt sich Wähler aus Clintons Lager

Den ersten Analysen zufolge gewann Obama im Gegensatz zu früheren Vorwahlen in Virginia und Maryland fast ebenso viele Stimmen weißer Wähler wie Clinton. Er gewann zudem erstmals auch größeren Zuspruch der Frauen, älteren Bürger und Einkommensschwächeren als seine Konkurrentin: Alle diese Wählerschichten waren zuvor klar Clintons Domäne gewesen. Zudem  erhielt Obama weiter mit großem Vorsprung vor Clinton die Unterstützung der Schwarzen und der Jüngeren. "Nun muss sich Hillary Clinton wirklich etwas einfallen lassen", sagte am Dienstagabend ein Kommentator des Senders Fox News.

Wie US-Medien zudem berichteten, ist nach Clintons Wahlkampfchefin auch "Vize" Mike Henry zurückgetreten. Danach verwies Henry in einer E-Mail an Mitarbeiter auf die bevorstehenden "Herausforderungen" in den kommenden Wochen, die den raschen Aufbau eines neuen Führungsteams erforderten. Den Berichten zufolge reichte der stellvertretende Wahlkampfchef seinen Rücktritt bereits am Montag ein - zwei Tage, nachdem Spitzenmanagerin Patti Solis Doyle durch die enge Clinton-Vertraute Maggie Williams ersetzt worden war. Die Wechsel im Team werden von Experten als deutliches Zeichen dafür gewertet, dass sich Clintons Wahlkampf in Schwierigkeiten befindet.

McCain bei Republikanern unangefochten vorne

Im republikanischen Lager baute Senator McCain aus Arizona mit Siegen in Virginia, Maryland und der Hauptstadt Washington seine Führung weiter aus. Allerdings fiel sein Sieg über den ehemaligen Baptistenprediger und Exgouverneur Mike Huckabee in Virginia mit rund 50 zu 41 Prozent relativ knapp aus - ein Zeichen dafür, dass McCain bei der religiösen Rechten weiterhin wenig Rückhalt hat. Wegen der Fülle seiner Vorwahlsiege steht er aber praktisch schon als republikanischer Präsidentschaftsbewerber fest. (sf/dpa)

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