US-Vorwahlen : Wie die Kandidatenkür weitergeht

Die Vorwahlen im Bundesstaat Iowa waren nur der erste Schritt im komplizierten Nominierungsverfahren der Parteien für die Präsidentschaftswahl am 4. November 2008.

Peter Wütherich[AFP]

Des MoinesNach Iowa müssen sich die Anwärter auf die Spitzenkandidatur von Republikanern und Demokraten in den anderen 49 Staaten dem Votum der Wähler stellen. In manchen Bundesstaaten - wie in Iowa - dürfen nur registrierte Parteimitglieder abstimmen, in anderen sind die Vorwahlen offen für alle. Die genauen Regeln für die basisdemokratische Kandidatenkür legt jede Landespartei selbst fest.

1) TERMINE: Nach dem Auftakt in Iowa werden bereits am kommenden Dienstag die Republikaner und Demokraten im Bundesstaat New Hampshire ihre Anhänger zur Abstimmung über die Bewerber bitten. In dichtem Takt folgen Vorwahlen in ausgesuchten Bundesstaaten, ehe am "Super-Dienstag", dem 5. Februar, in mehr als 20 Bundesstaaten abgestimmt wird. Spätestens dann dürfte auf beiden Seiten jeweils ein klarer Favorit feststehen. Bis Anfang Juni wird in den restlichen Staaten abgestimmt. Deshalb ist es nur noch Formsache, wenn die Demokraten dann Ende August offiziell ihren Spitzenkandidaten auf dem Parteitag in Denver küren und die Republikaner Anfang September in Minneapolis.

2) ABSTIMMUNGSMODUS: Es gibt zwei Sorten von Vorwahlen: Die "primary" ist der einfache Akt der Stimmabgabe in einem Wahllokal, dieser Modus gilt in der Mehrheit der 50 Staaten. Der "caucus" ist eine Parteiversammlung, bei der sich Mitglieder persönlich treffen und offen abstimmen. Diese Treffen auf Ortsebene haben einen basisdemokratischen Anstrich. Im ersten Vorwahl-Staat Iowa gilt traditionell das "caucus"-System, im zweiten Staat New Hampshire das "primary"-Verfahren. Eigentlicher Zweck der Vorwahlen ist es, die Delegierten der jeweiligen Landespartei für die Parteitage in Denver und Minneapolis zu bestimmen, wo diese dann ihrerseits den Spitzenkandidaten wählen.

3) DELEGIERTE: Die Zahl der Delegierten, die jeder Staat nach der Vorwahl zum Wahlparteitag entsenden darf, hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Je mehr Stimmen ein Kandidat in einem Staat bekommt, desto mehr Delegierte vertreten ihn auf dem Wahlparteitag. Iowa etwa darf auf dem Parteitag der Demokraten nur 57 der gut 4200 Delegierten stellen, das weitaus größere Kalifornien hingegen 441. Nicht alle Delegierten werden durch die Vorwahlen bestimmt: Kongressmitglieder und Gouverneure sowie Vertreter des Parteiapparats sind automatisch als Delegierte zugelassen.

4) KANDIDATENKÜR: Die durch Vorwahl bestimmten Delegierten sind in ihrem Abstimmungsverhalten gebunden - sie müssen auf dem Wahlparteitagen der beiden Parteien im Sommer für jenen Bewerber stimmen, in dessen Namen sie ausgewählt worden sind - im Falle Iowas nun also mehrheitlich für den Demokraten Barack Obama und den Republikaner Mike Huckabee. Wegen dieser Vorfestlegung erwarten viele Experten, dass die Kandidaten de facto bereits nach dem "Super Tuesday" am 5. Februar feststehen, weil dann bereits die Mehrzahl der Delegierten bestimmt ist. Überraschungen sind danach eher nicht zu erwarten.

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