US-Vorwahlkampf : Clinton gibt nicht auf

Hillary Clinton hat einen freiwilligen Verzicht zugunsten ihres Rivalen Barack Obama ausgeschlossen - obwohl sie nach den bisherigen Vorwahlen deutlich im Rückstand liegt. Um aus der Defensive heraus zu kommen, griff sie erneut die Kontroverse um Obamas früheren Pastor Jeremiah Wright auf.

WashingtonUS-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton will es wissen: Sie wolle in allen zehn restlichen Vorwahlen bis Juni antreten "und den Wählern meine Argumente vortragen", sagte Clinton in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Time". "Danach werden wir sehen, wo wir stehen." Einen vorzeitigen Rückzug schloß sie aus. Sie halte es für möglich, dass sie auf dem Wahlparteitag der Demokraten trotz ihres Rückstands als Spitzenkandidatin nominiert wird.

Erneut versuchte sie, mit Kritk an ihrem Konkurrenten Barack Obama, aus der Defensive zu kommen. Clinton griff die Kontroverse um Obamas früheren Pastor Jeremiah Wright auf und warf ihrem Gegenkandidaten mangelndes Urteilsvermögen bei der Wahl seiner Vertrauten vor. "Nach allem, was wir gesehen und gehört haben, hätte ich ihn (Wright) nie zum Pastor genommen", sagte Clinton im US-Bundesstaat Pennsylvania. "Wenn es um die eigene Verwandtschaft geht, hat man keine Wahl, man hat aber sehr wohl eine Wahl, wenn es um den Pastor und um die Kirche geht, die man besucht."

Unwahrscheinlich, dass Clinton noch aufholen kann
  
Obamas Berater werteten die Kritik als "durchsichtigen Versuch" Clintons, von ihren eigenen Problemen abzulenken. "Es ist enttäuschend zu sehen, wie tief Hillary Clintons Kampagne gesunken ist", sagte Obamas Sprecher Bill Burton. "Sie will von der erfundenen Geschichte über den Beschuss in Bosnien ablenken." Clinton hatte einräumen müssen, in einer Rede die Umstände eines Besuchs in Bosnien vor zwölf Jahren falsch widergegeben zu haben. Sie hatte zunächst behauptet, bei der Ankunft ins Feuer von Heckenschützen geraten zu sein. Diese Angaben sind inzwischen widerlegt.
  
Die Kontroverse um Obamas Pastor hatte sich an dessen umstrittenen Äußerungen zu Rassismus und zur Politik der USA entzündet. Obama hat sich inzwischen von diesen als radikel bewerteten Einschätzungen distanziert.

Clinton kommt derzeit nach einer Zählung der Politik-Webseite realclearpolitics.com auf 1497 Delegierte, Obama auf 1628 Delegierte. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Clinton den Vorsprung ihres Gegenkandidaten in den ausstehenden Vorwahlen noch aufholt.
  
Eine Chance auf die zur Nominierung nötige Mehrheit von 2025 Delegierten-Stimmen hat sie nur noch, wenn sie die große Mehrheit der "Super-Delegierten" hinter sich vereint. "Super-Delegierte" sind die etwa 800 Parteitagsdelegierten, die nicht in Vorwahlen bestimmt werden, sondern durch ihre Partei- oder Staatsämter Stimmrecht haben. Die letzten Vorwahlen der Demokraten finden am 3. Juni in Montana und South Dakota statt. (nim/AFP)

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